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"GRAMMATK" ?
geschrieben von: Charles Trojan ()
Datum: 07. Januar 2017 16:39

Thema einer MA-Arbeit (im Entstehen)

Was ist „Grammatik“ ?
Welche Bedeutung hat „Grammatik“in der DaF- Ausbildung ?
Welche Rolle spielt „Grammatik“ im DaF-Unterricht ?

Was meint die DaF-Gemeinde ?

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Re: "GRAMMATiK"?
geschrieben von: Redeker, Bangkok ()
Datum: 07. Januar 2017 20:34

Guten Abend Herr Trojan,

kann man denn eine Sprache ohne Grammatik lernen?*


Wie viel Grammatik braucht der Mensch?


Grammatik mit Sinn und Verstand!

Ich versuche immer, mindestens elementare Grammatikkenntnisse zu vermitteln, meine Schüler soll(t)en Wortarten und Satzteile erkennen und benennen können.

Meine fortgeschrittenen Lerner arbeiten oft in der Grammatikwerkstatt.


*Auf meinem Bildschirm erscheinen rechts Links zu Sprachlernmethodenangeboten, davon verspricht eine "Sprache Schnell(sic) in die Birne" zu bringen, doch ist die Webseite voller Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler.

Sind also Grammatik- und Rechtschreibkenntnisse altmodisch?


Mit freundlichen Grüßen

Michael Redeker



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 08.01.17 15:01.

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Re: "GRAMMATiK"?
geschrieben von: Bingo ()
Datum: 08. Januar 2017 05:30

Ich glaube, ich rieche den Braten: geht es um die Auseinandersetzung mit dem kommunikativen Ansatz, in dem Grammatik angeblich keine Rolle spielt?

Ich selber habe Magister/Masterarbeiten in diesem Bereich betreut und möchte Ihnen vorschlagen, sich mit folgeden Punkten - sozusagen als "Food for thought" - auseinanderzusetzen:

1. "Grammatik" - traditionelle vs. linguisische/kommunikative Grammatik.
2. Kommt man in DaF ohne "Grammatik" aus - was sagt ein Blick auf die Sprachstruktur des Deutschen dazu?
3. Verlauf der Methodendiskussion beginnend mit dem grammatik-übersetzungsbezogenen Ansatz ab dem 19. Jhl. bis heute

Diese Punkte brauchen Sie aus meiner Sicht zur Aufarbeitung der "Vorgeschichte". In einem zweiten Teil sollten Sie einen eigenen Lösungsansatz von Grammatik und ihrer Rolle im DaF-Unterricht anbieten und begründen. Z.B. könnten Sie das tun, indem Sie einen Kompromiss-Vorschlag zwischen kommunuikativer Methode und eher traditionellen Ansätzen, die Grammatik stärker berüksichtigen, diskutieren - z. B. Pattern-Drill o.Ä.

Die unter 1-3 genannten Fachbegriffe sollten Sie googen, wenn Ihnen diese nichts sagen. In der Linguistk sowie auch in der DaF-Methodik/Didaktik sind das feststehende Fachbegriffe mit allen Pro und Cons, die dahinter stehen.

Good luck!

P.S.: Der Poster Redeker bezieht sich ausschließlich auf einen Ansatz der traditionellen Grammatik (siehe Punkt 1 oben).


Zitat

Thema einer MA-Arbeit (im Entstehen)
Was ist „Grammatik“ ?
Welche Bedeutung hat „Grammatik“in der DaF- Ausbildung ?
Welche Rolle spielt „Grammatik“ im DaF-Unterricht ?
Was meint die DaF-Gemeinde ?

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Re: "GRAMMATiK"?
geschrieben von: Bingo ()
Datum: 08. Januar 2017 05:50

Ich habe diesen Reklame-Link auf diesem Forum auch gesehen und bin dem mal nachgegangen. Klickt man darauf, kommt man auf eine Seite, wo man minutenlang mit irgendwelchem Zeug vollgequatscht wird, ohne dass man etwas über diese angeblich so sensationelle Methode erfährt. Ich konnte mir den Werbe-Unsinn nicht länger anhören und habe das dann weggeklickt. Aus meiner Sicht sehr unseriös und überflüssig wie ein Waschmittel, das ich schon habe und das mir trotzdem jemand verkaufen will. Die Foren-Redaktion sollte diese Werbung für Idioten abschalten; wir in diesem Forum sind in der Regel nämlich nicht von gestern.


Zitat

*Auf meinem Bildschirm erscheinen rechts Links zu Sprachlernmethodenangeboten, davon verspricht eine "Sprache Schnell(sic) in die Birne" zu bringen, doch ist die Webseite voller Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler.

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Re: "GRAMMATK" ?
geschrieben von: Charles Trojan ()
Datum: 08. Januar 2017 14:20

..nur zur Erläuterung:
Ich schreibe keine MA-Arbeit, vielmehr berate ich meine Enkelin und einige Studis in Straßburg. Dabei habe ich mich echauffiert über die Unbedarftheit der Themensteller.
C.T.

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Re: "GRAMMATIK" ?
geschrieben von: charles Trojan ()
Datum: 11. Januar 2017 16:41

Kollege Redeker berichtet:

"Ich versuche immer, mindestens elementare Grammatikkenntnisse zu vermitteln, meine Schüler soll(t)en Wortarten und Satzteile erkennen und benennen können."

So habe ich Latein und Griechisch gelernt - da war es weitgehend Selbstzweck. Aber um eine Sprache (Deutsch) zu benutzen ?

Ich frage also: "Wozu?"
C.T.

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Re: "GRAMMATIK" ?
geschrieben von: Redeker, Bangkok ()
Datum: 11. Januar 2017 18:48

Guten Abend Herr Trojan,

anfangs zum Zwecke der Rechtschreibung. Ich erwarte, dass Nomen (Nomen?) großgeschrieben werden, dass beim Gebrauch der Präpositionen (?) die angemessenen Artikel(?) im je richtigen Kasus (?) usw. usf. gebraucht werden.

Ich möchte, dass die Schüler verstehen, was sie da machen (sollten). Ich möchte, dass sie über ein Das-macht-man-eben-So hinausgehen.


Mit freundlichen Grüßen

Michael Redeker

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Re: "GRAMMATIK" ?
geschrieben von: Bingo ()
Datum: 12. Januar 2017 00:30

Eine Sprache wie Deutsch lässt sich nicht ohne ein Minimum an Grmmatik lernen. Da gebe ich dem Poster Redeker Recht.

Die sog. Grammatik-Übersetzugsmethode des 19.Jh. war eine grammatikzentrierte Methode, wo man für die alten Sprachen wie Latein usw. z.B. die entsprechenden Flexionsformen lernte und dann durch Übersetzungsübungen festigen sollte. Dadurch konnte man aber noch längst nicht eine Fremdsprache flüssig sprechen und verstehen bzw. schreiben und lesen lernen.

Über verschiedene Zwischenstufen in der Methodik-Geschichte hinweg setzte sich etwa Mitte der 1970er Jahre der kommunikative Ansatz durch, der heute allgemein im Sprachunterricht angewandt wird. Auch hier kann die Grammatik nicht ganz außen vorbleiben, sie wird nur mit anderer Gewichtung und auf andere Weise vermittelt.
Hier kann man aber eben nicht mit den traditionellen Grammatik-Metabegriffen wie "Relativsatz" usw. arbeiten, wenn man die Grammatik selbst nur marginal behandeln will.

Wenn man einem Schüler z.B. das Wesen des Relativsatzes und die zugrunde liegenden Regeln vermitteln will, muss erst einmal klar sein, was ein Relativsatz überhaupt ist. In vielen asiatischen Sprachen gibt es z.B. Relativsätze gar nicht, die dort stattdessen wie erweiterte und manchmal recht komplexe Attribute zu Nomen behandelt werden.

Im Chinesischen, wo es ebenfalls keine Relativsätze gibt, wird z.B. ein Satz wie

(1) Der Mann, der spät abends nach Hause kam, war nur leicht betrunken

wie folgt wiedergegeben:

(2) Der spät abends nach Hause gekommene Mann war nur leicht betrunken.

Der Linguist würde nun nicht von "Relativsätzen" sprechen wollen,sondern von Attributen zu einem Nomen, die je nach Sprache entweder vor dem Nomen stehen können oder wie im Falle des Deutschen dem Nomen im Falle der Relativsätze nachgestellt sind. Eine Struktur wie (1) gibt es im Chinesischen nicht, eine im Chinesischen übliche Strukur nach (2) klingt im Deutschen ziemlich hölzern und riecht nach "Amtsdeutsch".

Zur Vereinfachung können wir sagen, dass Attribute wie Relativsätze im Deutschen nach dem Bezugsnomen stehen und daher ein Relativpronomen erfordern. Es gibt eben komplexe Attribute, die dann im Deutschen in Form eines Nebensatzes mit einem Relativpronome nach dem Bezugsnomen stehen. Kürzere Attribute wie z.B. Adjektive stehen hingegen vor den Nomen.

Unterrichtspraktisch müsste man also Relativsätze als einen Sonderfall von Attributen behandeln.

An diesem Beispiel wollte ich nur zeigen, was der Unterschied zwischen traditionellen und linguistischen Grammatikansätzen ist. In letzterem Fall beschränkt man sich eben nicht allein auf die Formstrukturen, sondern bezieht semantische Komponenten mit ein. Die Bezeichnung von Relativsätzen als Attribut ist dafür ein Beispiel.

Linguistik ist also wichtig als Hintergrundwissen für DaF-Lehrende. Deshalb sind linguistische Stoffanteile auch essentieller Bestandteil in jeder universitären DaF-Ausbildung. Auf andere als diese kann man ohnehin nichts geben.

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Re: "GRAMMATK" ?
geschrieben von: Charles Trojan ()
Datum: 14. Januar 2017 17:55

Ein paar Bemerkungen, damit die Diskussion weiterläuft:

(1) Was ist „d i e Grammatik des Deutschen“ ?
• Das Grammatikbuch, z.B. die „Dudengrammatik“, die „Griesbachgrammatik“, die „Grundzüge einer deutschen Gramnmatik“, Helbigs „Deutsche Grammatik“ und unzählige (unsägliche) andere ?
• Das Skelett einer Sprache, die Summe der grammatischen Regeln nach den Kategorien der lateinischen / griechischen Grammatik und mit deren Metasprache
• Die Beschreibung (en), wie die Komponeneten sprachlicher Äußerungen sich organisieren, wobei die Metasprache egal ist.

(2) Gibt es e i n e Grammatik oder mehrere, je nach ihrem Zweck ?

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Re: "GRAMMATK" ?
geschrieben von: Bingo ()
Datum: 15. Januar 2017 01:25

Ich würde in einer Antwort eher zu (2) tendieren. Es gibt Pädagogische, Linguistishe Grammatik, Grammatik-Bücher usw. Zumindest als Linguist müsste man hier genauer präzisieren.

Davon einmal abgesehen:

Es gibt objektive Daten für die Struktur von Sprachen, die wir als "Grammatik" bezeichnen.

Z.B. in vielen indo-europäischen Sprachen werden Adjektive wie Nomina behandelt, weil sie deklinierbar sind. Im Chinesischen und Koreanischen hingege zeigen Adjektive hingegen eher die Eigenshaften von Verben, weshalb man sie dort mit Verben und auch präpsostionsähnlichen Partikeln zur größeren Wortgruppe der Prädikative zusammenfassen müsste. Ich habe das mal in meiner früheren Habil.-Schrift im Fach Sprachlehrforschung zu beweisen gesucht.

Auch der Punkt sprachlicher Universalien (z.B. die Unterscheidung von sog. SOV-, VSO- und SVo-Sprachen mit all den sich daraus jeweils ergebenden Implikationen für andere Bereiche einer Art von Sprachstruktur (z.B. SOV-Sprachen haben attributive Adjektive vor dem Bezugsnomen stehen [sage nicht ich, sondern die diesbezügliche Fachliteratur]) wäre ei weiteres Beispiel.

Mit anderen Worten: Linguisten erforschen heute das grammatische Regelwerk von Sprachen an Hand empirischer (jeweils sprachspezifischer) Daten. Traditionelle Grammatiker - oder "Philologen", wie Linguisten sie nennen- beschränken sich auf die klassische Hochliteratur und leiten daraus Regeln einer präskriptiven Grammatik ab (schon wieder eine "andere" Grammatik...hahahhahaha), die besagt, wie andere Leute sprechen sollen. Ich kann mir nun nicht vorstellen,
dass sich ein Medium wie die BILD-Zeitung im literarischen Stil eines Goethe besonders gut verkaufen würde....LOL

Ziemlich konfus das Ganze. Aber keine Angst - wir Linguisten bringen da Ordnung hinein (lach.....)





Zitat

2) Gibt es e i n e Grammatik oder mehrere, je nach ihrem Zweck ?

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Nachtrag zu der Passage über sprachliche Universalien
geschrieben von: Bingo ()
Datum: 15. Januar 2017 12:22

Nur als Hinweis für die linguistisch weniger Bewanderten:

SOV-Sprachen mit Worstellung von Subjekt-Objekt-Verb im Satz (Koranisch, Japanisch, Nepali, Tibetisch z.B.)
VSO-Sprachen mit Wortstellung Verb-Subjekt-Objekt (z.B. Hebräisch, Arabisch, aber auch Tagalog und andere Sprachen auf den Philippinen z.B.)
SV0-Sprachen mit Worstellung von Subjekt-Verb-Objekt (Chinesisch, Französisch, Englisch, in gewisser Weise auch Deutsch z.B.).

Diese Richtung stammt ursprünglich aus den USA und vermischt Satzglieder wie Subjekt und Objekt mit Wortklassen wie Verb. Ein Negativum im Deskriptiosmodell der Theorie sprachlicher Universaliien. Warum das so ist, könnte man in einem separaten Post sicher ansatzweise erklären. Letzreres ist aber hier für das eigentliche Thema nicht relevant und wäre daher off-topic.

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Noch ein Nachtrag
geschrieben von: Bingo ()
Datum: 15. Januar 2017 12:49

Manche fragen sich, welcher Grammatikansatz sich wohl am Besten für unterrichtspraktishe Zwecke im DaF-Unterricht eignet. Das aber wäre eine Frage des grammatischen Rahmenmodells, von denen es verschiedene gibt - z.B. traditionelles, valenztheoretisch usw. (Letzteres wäre der linguistischen Richtung zuzurehnen).

Für unterrichtspraktische Zwecke könnte eines dieser Rahmenmodelle als "pädagogische Grammatik" hinsichtlich der Orientierung in der Anwendung zum Tragen kommen.

In China und Korea habe ich meinen damaligen Studenten der Germanistik in Grammatikkursen und linguistischen Grundkursen, aber auch in Kursen an der Graduate School (Master, Doktoranden), immer wieder gesagt, dass man Grammatikbücher immer kritisch hinterfragen muss und etwas nicht nur deshalb richtig ist, weil es dort in einem Buch steht.

Der DUDEN, so wie er mir heute vorliegt, ist eine deskriptiv orientierte linguistische Grammatik des Deutschen, in der sich verschiedene Grammatikrahmen unterschiedlicher linguistischer Schulen vereinigen (eklektischer Ansatz). Für den DaF-Unterricht nicht geeignet, allenfalls als Referenzwerk für die DaF-Lehrkraft.

HELBIG-BUSCHA ist eine pädagogisch orientierte Grammatik, explizit für den DaF-Unterricht in der ehemaligen DDR entwickelt und verbindet valenztheoretische Ansätze mit anderen Rahmenmodellen. Ich halte sie noch immer für das Beste, was es für den DaF-Bereich gibt. Allerdings war sie für den kommunikativen Ansatz im Sprachunterricht, wie er heute Standard ist, nicht konzipiert. Man kann sie aber ergänzend auch im kommunikativ orientierten Unterricht unabhängig vom jeweils benutzten Hauptlehrwerk einsetzen.

Soweit mein Senf zu diesem Thema. Und jetzt halte ich die Klappe...LOL

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Re: "GRAMMATK" ?
geschrieben von: Charles Trojan ()
Datum: 17. Januar 2017 11:25

Zur Frage „was ist Grammatik“, ein paar Feststellungen:
1. Es gibt nicht „die Grammatik“ sondern zahllose Beschreibungen dessen, was wir als sprachliche STRUKTUR zu erkennen glauben; Grammatiken sind Interpretationen.
2. Hinter einer Grammatik steht wie eine „Ideologie“ die Auffassung, wie Sprache strukturiert und beschreibbar ist, also eine von mehreren linguistischen Theorien, z.B. der Strukturalismus (dazu vorbildlich [www.deutsch-als-fremdsprache.de]. )
3. Vor dem Zugriff auf eine Grammatik muß deren Zielsetzung und theoretischer Hintergrund, ihre linguistische Basis (wenn sie eine hat!), hinterfragt werden.
4. Es gibt z.B. Bewußtmachungsgrammatiken für Muttersprachler (z.B.Duden), die bereits die Sprachkompetenz haben, und Anwendungsgrammatiken (z.B.Helbig) für diejenigen, die Sprachkompetenz aufbauen. Grammatikphobie entsteht, wenn Unterrichtende dies nicht beachten.
5. Gewisse theorieunabhängige Regularitäten muß ein Sprachlehrer kennen und im Unterricht umsetzen können, z.B. Form und Funktion auseinander zu halten (vgl. in einem vorhergehenden Beitrag über Realtivsatz), Para- und hypotaktische Beziehungen zu kennen, die sich trefflich in kommunikativen Unterricht umsetzen lassen etc.
Daraus folgt:
Zitat (Bingo) : Linguistik ist also wichtig als Hintergrundwissen für DaF-Lehrende. Deshalb sind linguistische Stoffanteile auch essentieller Bestandteil in jeder universitären DaF-Ausbildung. Auf andere als diese kann man ohnehin nichts geben.
Ein kompetenter Sprachlehrer muß (unter anderem) sowohl die wichtigsten linguistischen Theorien als auch deren Umsetzungen in Grammatiken verinnerlicht haben, um auf dieser Basis seine Unterrichtsprogression – vom Einfachen zum Komplexen – planen und umsetzen zu können.

Hat er dieses Wissen und Können nicht, ist er wie ein Musiklehrer, der das Notensystem nicht kennt und beherrscht und glaubt, es gehe auch ohne…
Jedenfalls ist er ein Scharlatan.

Jemandem (oder Behörden) einzureden, es ginge auch ohne, ist unverantwortliche Täuschung, zum Beispiel mit dem Ziel, die eigenen Kurse und fertigen Lehrbücher zu verkaufen. Die Resultate kann man in den Beiträgen zu diesem Forum erleben.
C.T.

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Re: "GRAMMATK" ?
geschrieben von: Bingo ()
Datum: 17. Januar 2017 12:05

Das Zitat unten brauche ich nicht weiter zu kommentieren; es spricht für sich.

Zitat

Zitat (Bingo) : Linguistik ist also wichtig als Hintergrundwissen für DaF-Lehrende. Deshalb sind linguistische Stoffanteile auch essentieller Bestandteil in jeder universitären DaF-Ausbildung. Auf andere als diese kann man ohnehin nichts geben.
Ein kompetenter Sprachlehrer muß (unter anderem) sowohl die wichtigsten linguistischen Theorien als auch deren Umsetzungen in Grammatiken verinnerlicht haben, um auf dieser Basis seine Unterrichtsprogression – vom Einfachen zum Komplexen – planen und umsetzen zu können.

Diese "Scharlatane" sind in der DaF-Branche, wo wir es vor allem mit Klitschen und ihren Betreibern, die von Sprache und Unterricht keine Ahnung haben, zu tun haben, eher systemgewollt. Behaupte ich mal. Denn eine "billige" (unzureichende) Ausbildung (oder gar keine) rechtfertigt auch einen Billiglohn und damit am Ende auch Ausbeutung.

Zitat

Hat er dieses Wissen und Können nicht, ist er wie ein Musiklehrer, der das Notensystem nicht kennt und beherrscht und glaubt, es gehe auch ohne…
Jedenfalls ist er ein Scharlatan.

Genau so sehe ich das allerdings auch. Die Klitschren-Anbieter arbeiten oft mit Täuschung, um z.B. eine Maßnahme vom BamF zu bekommen.In diesem Forum posten DaF-Berufene und weniger oder überhaupt nicht dazu Berufene, wobei Letzere den qualifizierten Lehrkräften nur die Preise kaputt machen. Das sind z.B. die, die ganz offen hier im Forum gegen Bares ihre Portfolios vomn Anderen abschreiben wollen, weil sie es selber nicht gebacken kriegen. Bei mir würden solche Teilnehmer aus der Veranstaltung achtkantig rausfliegen...


Zitat

Jemandem (oder Behörden) einzureden, es ginge auch ohne, ist unverantwortliche Täuschung, zum Beispiel mit dem Ziel, die eigenen Kurse und fertigen Lehrbücher zu verkaufen. Die Resultate kann man in den Beiträgen zu diesem Forum erleben.

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Re: "GRAMMATK" ?
geschrieben von: Charles Trojan ()
Datum: 18. Januar 2017 09:01

...So weit, so gut.
Die spannende Frage: Wie wird das Theoriewissen (DaF-Lingustik, Grammatikkenntnisse) in effektiven Unterricht umgesetzt ?

C.T.

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Re: "GRAMMATK" ?
geschrieben von: Bingo ()
Datum: 18. Januar 2017 10:46

Ich denke, es wird überhaupt nicht eingesetzt, sondern dient der Lehrkraft nur als Hintergrundwissen für die Unterrichtsgestaltung. Lerner des Deutschen interessieren eher theoretische Sachen wie Valenzgrammatik oder ob man
Relativsätze als eine Art von Attributen behandeln sollte, naturgemäß auch nicht.

Ein Problem, was ich sehe, ist der Zwamng zum Einsatz der kommunikativen Methode, die heute eigentlich überall Standard ist. Wenn man von einer einseitigen Festleegung allein auf diese Methode nicht loskommt, wird man nicht sehr viel besser machen können. Klitschen geben ja schon die Lerhwrerke vor, nach denen man arbeiten muss. Eigentlich sollte man als scheinselbständiger Freiberufler das Werk selber wählen können. Und diese Lehrwerke orientieren sich in der Regel an dieser Methode, deren Dogma es ja ist, die Grammatik und ihre Regeln weitgehend außen vor zu lassen.

Es liegt einfach systembedingt viel zu viel im Argen.

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Re: "GRAMMATK" ?
geschrieben von: Charles Trojan ()
Datum: 19. Januar 2017 11:36

Zitat (Bingo): (...) Zwang zum Einsatz der kommunikativen Methode (...).

Damit wären wir bei der Kernfrage dieser Diskussionen:

- Welche Rolle spielt ein auf linguistischer Basis beruhendes Regelwerk, genannt Grammatik im konkreten Unterrichtsgeschehen ?

- Was konkret ist diese "Zwangmethode" ?

C.T.

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Re: "GRAMMATK" ?
geschrieben von: Bingo ()
Datum: 19. Januar 2017 18:32

Der wesentliche Punkt ist, dass die Lernenden die grammatischen Regeln selber erschließen sollen und daher gar kein oder nur ein minimaler Input des Lehrenden vorgesehen ist.

Manchmal ist auch die Grammatikprogression nur mehr als fraglich. Die Lernenden sind viel zu lange vom Lehrenden abhängig, wenn sie lehrbuchabhängig nur Stück für Stück in das grammatische Regelwerk eingeführt werden.

Grammatik ist nur ein Mittel zum Zweck in engem Zusammenhang von Sprechen, Höremn, Lesen und Schreiben. Man sollte sie also immer in Zusammenhanhg von Texten (geschrieben oder gesprochen) verwenden und lehren.

Der Zwang zur kommunikativen Sichtweise der Grammatik ist durch die gängigen Lehrwerke vorgegeben.

Es kann sicher auch nicht ausbleiben, dass ein Minimum an grammatischen Facjhbegriffen vermittelt wird wie z.B. Subjekt, Objekt usw.

Zum Schluss: Auf Ánfängerniveau sollten grammatische Themen in der Muttersprache des Lernenden vermittelt werden. Alles Andere wäre Pfusch.

-------------
Ich selber habe ein Buch zur chinesischen Grammatik für westliche Chinesischlernende geschrieben. Das Ganze wäre eine pädagogisch aufbereitete linguistische Grammatik, die auch visuell mit syntaktischen Strukturbäumen arbeitet. Im Chinesischen gibt es weder Deklination noch Konjugation, man muss alles aus der Worstellunhg der Satzglieder herleiten und zum Beispiel grammatische Zeitstufen implizit aus dem Textkointext herleiten. Genau das Gleiche für den Numerus bei Nomen.

Dann gibt es subjektlose Sätze, die in westlichen Sprachen unüblich sind. Wann muss/kann im Chinesischen ein Satz subjektlos sein? Was wäre dann das zugrunde liegende Regelwerk?

Last not least: Wenn man chinesischen Lernern den unterschiedlichen Gebrauch von bestimmten und unbestimmten Artikel vermitteln muss, wie geht man dann vor?
Dazu habe ich mal ein Research Paper geschrieben und einen Weg gefunden, ds
ganz einfach über eine kontrastive Regel zu tun:

Chinesisch hat keine Artikel, aber Demonstratipronomen. In den germanischen und romanischen Sprachen hat sich der bestimmte Artikel aus Demonstrativpronomen entwickelt, der unbestimmte Artikel aus dem Zahlwort "1".

Mit diesemn linguistischen Hintergrundwissen habe ich dann folgende Regel formuliert (entdeckt?):

(R1) a. Immer wenn man im Chines. ein Demonstrativpronomen vor einem Substantiv kontextmäßig verwenden kann, sollte man für das deutsche Äquivalent den bestimmten Artikel verwenden.
b. Ansonsten verwende man den unbestimmten Artikel.

Wie ich das dann unterrichtspraktisch umgestzt habe, ist ein anderer Punkt. Es soll genügen, festustellen, dass diese Regel in rd. 95 % der Fälle den Lernenden geholfen hat, den richtigen Artikel zu verwenden. An chinesischen Oberschulen habe ich genau die gleichre Regel für das Englische mit Schülern der Mittelstufe getestet; hier war das Ergebnis ähnlich.

Bleibt nur noch festzustellen, dass ich bei der Vemrittlung dieser Regel methodisch viel mit der muttersprachlichen Intuition der Lernenden gearbeitet hatte. Genau richtig also für Anfängerniveau.

So, jetzt muss ich etwas essen und verabschiede mich für heute...

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Re: "GRAMMATK" ?
geschrieben von: Charles Trojan ()
Datum: 25. Januar 2017 13:58

Kommunikativer DaF-Unterricht ohne Grammatik ?
Sind also Grammatik- und Rechtschreibkenntnisse altmodisch? (Redeker 7.1.17)


Das ist ein Irrglaube und Unfug, beruhend auf fehlender Differenzierung. Es ist nämlich zu unterscheiden,
1. was ein Unterrichtender an Wissen braucht, nämlich u.a. fundierte linguistische Kenntnisse und solche der Grammatik, und
2. was ein(e) Lernende(r) davon mitbekommen soll (adressatenabhängig).

Der Unterrichtende muß seine Unterrichtsprogression – vom Einfachen zum Komplexen, verzahnt mit Themen und sprachlichem Handeln – auf der Grundlage seines linguistischen (und natürlich methodischen) Wissens planen und praktizieren.

Die Lernenden bemerken davon nichts! Vielmehr führt die geschickt geplante und durchgeführte Unterrichtsprogression zum „Grammatischen Aha-Effekt“, indem nämlich wirklichkeitsnahes Üben einer Struktur beim Lernenden am Ende zur Erkenntnis führt, wie etwas funktioniert („Aha!“) und er selbständig eine Regel findet.

Das bedeutet, die „grammatische Regel“ steht am Ende und nicht am Beginn eines Lernschritts!

Am Ende des Kurses erstellt jede(r) seine eigene „Grammatik“ (vgl.Bingos Beitrag vom 19.1.) – wenn er sie dann überhaupt noch braucht. Jedenfalls nicht am Lernbeginn wie eine abschreckende und zu überwindende Mauer, zudem mit mysteriöser Metasprache (Fachsprache). Wie viele DaF-Lernende haben im Wörterbuch gesucht, was ein “Objekt“ ist und sind an der Antwort verzweifelt!

Ein Mal in einer sehr langen DaF-Strecke hatte ich in den neunziger Jahren ein Curriculum in der Hand und einen dem geschilderten Vorgehen entsprechenden hocheffektiven, mitreißenden Kommunikativen DaF Unterricht ohne Lehrbuch erlebt – in der Sprachenschule der Bundeswehr in Köln, der größten Sprachenschule Deutschlands.

Dieser Prozeß des linguistisch kompetenten Unterrichtsplaners und des davon unbehelligten Lerners glauben alle Verfasser von DaF-Lehrbüchern, alle diese Lehrbücher Empfehlenden oder Vorschreibenden (mit kommerziellen Hintergedanken) und alle, die sie benutzen, abkürzen zu können, indem sie die DaF-Ausbildung auf die das eigene Denken eliminierende Benutzung eines fertigen Rezepts „Lehrbuch“ und den geeigneten Mix von Unterrrichtstechnologie reduzieren, garniert mit Interkultureller Ideologie.

Daß dies bei einigermaßen Mitdenkenden zu Frustrationen führt, läßt sich in diesem Forum nachverfolgen.

C.T.

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Re: "GRAMMATK" ?
geschrieben von: Bingo ()
Datum: 26. Januar 2017 04:25

1. So habe ich es eigentlich immer gemacht. Da ich der kommunikativen Methode als einzig wahrer Unterrichtsmethodik nicht viel abgewinnen kann, habe ich immer mit der sprachlichen Intuition der Teilnehmer gearbeitet und die eigentlliche Regel zum Schluss erklärt. Das "Aha"-Erlebnis war dann in der Regel bei den Teilnhmern schon vorhanden.

2. Und natürlich ist eine recht respektable Sprachschule der Bundeswehr nicht vergleichbar mit einer weniger respektablen Sprach"schule" in Form einer Klitsche, die von einem windigen Geschäftemacher irgendwo in Berlin-Schöneberg betrieben wird.

3.Neben meinen einschlägigen Studienabschlüssen verfüge ich auch über zusätzliche Zertifikate für DaF-, Englisch- und Chinesisch-Unterricht als Fremdsprache. Ich kann daher sagen, dass das Curriculum für das Chinesisch-Unterrichts-Zertifikat längst nicht so einseitig auf den kommunikativen Methodenansatz festgelegt ist, sondern eine gewisse Methodenvielfalt zulässt, was ich auch richtig finde angesichts der Tatsache, dass es unterschiedliche Lernertypen gibt.


Zitat

Das bedeutet, die „grammatische Regel“ steht am Ende und nicht am Beginn eines Lernschritts!



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 26.01.17 04:46.

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