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Arbeiten und Leben in Mexiko mit DaF
geschrieben von: Trotzki ()
Datum: 30. April 2016 05:04

Da hier auf dieser Seite hin und wieder DaF-Aufträge in Mexiko angeboten werden (interessanterweise immer von den gleichen Anbietern), sollten Lehrer, die das Land nicht kennen, sich generell gut vorab informieren, damit es nicht zu falschen Erwartungen kommt. Dazu nachfolgend einige Punkte. Zu rechtlichen Fragen/Auskünften kann man sich an Konsulate/AHK usw. wenden.

In welcher Form arbeiten?
Vollzeitanstellungen sind für DaF-Dozenten dort eher selten. Überwiegend wird Unterricht nur nach Stunden auf Honorar, also ohne Vertrag angeboten, meistens sehr spontan und ohne Stundengarantie. Bewerber aus dem Ausland sollten unbedingt einen Vollzeitvertrag fordern. Mit fester Stundenanzahl und Gehalt. 45-48 Arbeitsstunden/Woche sind normal (natürlich nicht UE, jeder DaF-Lehrer weiß, dass für guten Unterricht das Maximum bei 20-25 UE liegt). Unterricht sehr früh, abends oder am Samstag ist üblich. Der Arbeitsvertrag (mex. Verträge sind i.d.R. standardisiert) sollte genaue Angaben zu Arbeitszeit/-umfang und Tätigkeit, Gehalt und Zusatzleistungen beinhalten, alles andere wie Probezeit (90 Tage) usw. ist im mex. Arbeitsrecht (Ley de Trabajo) geregelt. Unbedingt das Thema Überstunden vorab schriftlich klären und niemals aufgrund von formlosen Aus-/Zusagen die Reise buchen oder gar arbeiten. Die Arbeitserlaubnis, die der Arbeitgeber zuerst für das Visum beantragen muss, ist kein Arbeitsvertrag!

Wie funktioniert der Verdienst?
Bei Festanstellung wird das Gehalt in brutto angegeben, davon werden Steuern und die staatliche Sozialversicherung abgezogen (etwa 10-20%, also um einiges geringer als in DE, das gilt aber auch für die Leistungen). Wie viel genau, kann/muss der Arbeitgeber sagen. Im Falle von Honorarzahlungen sind die Angaben ebenfalls brutto. Honorare (eingefordert über obligatorisch elektronisch registrierte Rechnungen) müssen versteuert werden (monatliche Steuererklärung) und die angefallene Steuer (IVA/ISR) monatlich bezahlt werden (pünktlich!). Für Lohnzahlungen braucht man ein mex. Bankkonto, außerdem die nationale Steuernummer (RFC) und Personennr. (CURP), das ist nur möglich mit der mex. Aufenthaltserlaubnis und das kann ein paar Wochen nach Einreise dauern. Informelles Unterrichten und Geld bar auf die Hand ohne Belege/Papiere usw. ist illegal.

Verdiensthöhe?
Ein hier häufiger angebotener Monatsverdienst von ca. 10-12T Pesos brutto (in etwa Hartz-IV-Niveau mit Wohnung) ist zwar über dem allgemeinen Lohnniveau, aber für eine ausländische Fachkraft extrem wenig. Bildung wird zwar generell in MX sehr schlecht bezahlt (das entspricht teilweise dem Niveau und Ansehen). Trotzdem wären für einen ausländischen Akademiker mind. 15-20T netto + Zusatzleistungen in einer Stadt mit durchschnittlichen Lebenshaltungskosten angemessen. Die Gründe, warum Anbieter das nicht zahlen (wollen), sind im Prinzip dieselben wie in DE.

Krankenversicherung/Rentenversicherung:
Anstellung mit Arbeitsvertrag beinhaltet automatisch die staatliche KV (IMSS). Diese ist nie und nimmer mit den Leistungen der GKV in DE zu vergleichen. Ernsthafte Erkrankungen/Unfälle ohne PKV? Das kann fatal enden. 2 Möglichkeiten: 1) Bereits in Deutschland eine internationale PKV abschließen, das ist teuer und zeitlich nur begrenzt möglich. 2) In MX eine PKV (“Gastos médicos mayores”) abschließen, ist auch sehr teuer (2-3T Pesos/Monat) und deckt auch nicht alle Krankheiten ab (zudem mit Selbstbehalt). Immerhin kann man dann ausgewählte Privatkrankenhäuser nutzen, die europäischen Standard haben. Diese Leistung sollte der Arbeitgeber stellen. Im Ernstfall kann man sich bei 10-12T Pesos/Monat eine Privatbehandlung ohne Versicherung vielleicht gerade noch den ersten Tag lang leisten.
Zur Rente: Wer sein restliches Leben in Mexiko bleiben möchte, wird bei DaF-Gehältern von keiner lokalen Rente leben können. Eine ordentliche private Altersvorsorge in DE mit so einem Gehalt finanzieren ist eigentlich unmöglich.

Zusatzleistungen/-kosten:
Wenn manche Anbieter hier wohl keine Flug-/Anreisekosten bezahlen, ist es logisch, dass man draufzahlt. Standardleistungen sollten neben allen administrativen Kosten für Ausländer (Visum, Papiere vor Ort etc.) in DE und MX eine PKV, Flug/Transfer und Wohnungszuschuss bei Ankunft sein. In der Industrie ist das tatsächlich ganz normal.

Wie und für wie viel wohnen?
Für eine ordentliche möblierte Wohnung mit “deutschem Standard” muss man schon, je nach Standort, mit 6-8T Pesos aufwärts rechnen (Expats aus der Wirtschaft mieten sich durchaus Häuser um die 15-20T Pesos). Es ist richtig, dass man eine kleine Wohnung leicht ab 3-4T Pesos bekommt, deutsche Ansprüche ausgeschlossen. Wohnungen/Häuser sind häufig sehr klein, in baulich fragwürdigem Zustand, karg eingerichtet und zugig (auch in MX kann es sehr kalt werden). Ein “bescheidenes” Zimmer zur Untermiete gibt's ab 1-2T Pesos. Wichtige Frage bei der Unterkunftswahl ist auch das Wo (Sicherheitslage und Infrastruktur ist viel problematischer als in DE). Niemals Vereinbarungen und Zahlungen nur mündlich/informell abwickeln oder vorab Zahlungen leisten. Ein nettes Lächeln und Freundlichkeit bedeutet nicht Vertrauen.

Lebenshaltungskosten:
Verglichen mit dem Lohnniveau ist MX in der Tat nicht billig. Zusätzlich zur Unterkunft kommen für Ernährung (eine Person) bei sparsamem Verhalten etwa 3T Pesos/Monat dazu. Wer auf Import-Lebensmittel nicht verzichten will, muss sehr tief in die Tasche greifen. Wem täglich Reis, Bohnen, Tortillas und Wasser reichen, ok, das ist günstig. Vieles ist aber nicht viel billiger als in DE. Der öffentliche Nahverkehr ist zwar sehr viel billiger, aber auch entsprechend schlecht (Ausnahme: Mexiko-Stadt und Monterrey). Taxifahren kann ebenfalls teuer sein, abhängig von Stadt, Fahrtziel (und Fahrer...). Insgesamt darf man bei sehr einfachen Bedürfnissen zusätzlich zur Unterkunft mit 5-6T Pesos aufwärts rechnen. Das alles gilt für durchschnittliche Städte, also nicht für teure Ecken wie Monterrey, Tijuana oder Cancún. Wer reisen will (wer will das nicht in einem anderen Land) muss auch ordentlich beiseite legen. Übrigens, mit einem deutschen Industriegehalt lebt es sich als Expat (Ingenieure etc.) in MX wie Gott in Frankreich.

Sprache:
Sehr wichtig. Englisch ist kaum verbreitet und im Alltag auch absolut unpassend (außer man fährt in Touristengegenden in Urlaub). Für die Orientierung im Alltag, Transport, Behörden, Einkaufen usw. sind gute bis sehr gute Spanischkenntnisse (mind. B1-B2) ein Muss, auch, um Land/Kultur/Leute richtig kennenzulernen. Eine gute Sprachkompetenz schützt auch ein wenig davor – leider muss man das sagen – nicht übers Ohr gehauen zu werden. Dokumente und Verträge zum Unterschreiben sollte man logischerweise verstehen. Grundsätzlich sind Mexikaner sehr freundlich und hilfsbereit, aber nicht dafür verantwortlich, wenn man die Landessprache nicht spricht oder lernt.

Arbeitsbedingungen:
Vorab genau fragen: Wie ist die Ausstattung, welche Art Schüler? Gruppenarbeit und selbstständiges Arbeiten/Lernen sind dort wenig verbreitet, die Lern- und Leistungsbereitschaft kann sehr niedrig sein. Die meisten schaffen es bis A2-B1. Die interessierteste Klientel wird man eher an privaten Instituten finden. An öffentlichen Schulen und Universitäten kann das ganz anders sein, manchmal ist es eben auch einfach schick, wenn man sagt, dass man einen Deutschkurs besucht. Häufig gibt es Vorgaben, was ein Lehrer in welcher Zeit mit welchen gewünschten Noten erreichen muss. Umgekehrt bewerten auch Schüler ihre Lehrer.
Alternativen sind begrenzt. Viele lokale kleine Sprachinstitute haben oft nicht einmal Lehrmaterial, Lehrplan usw. und bezahlen noch schlechter, als was hier so angeboten wird. Lehrmaterial kann man zwar problemlos bekommen, ist aber sehr teuer (wie alles, was importiert wird). Am besten bezahlen einige wenige private Unis und Firmen. Vieles funktioniert nur über informelle Kontakte, dazu ist kulturelle und sprachliche Kompetenz unabdingbar.

Ingesamt:
Mexiko ist ein tolles Land mit faszinierender Kultur, als Urlaubsland absolut besuchenswert! Wer dort arbeiten will, sollte aber o.g. berücksichtigen. Sicher gibt es positive Aspekte, das Klima ist meistens angenehm, die Leute sehr nett und man kann gut essen. MX ist aber kein reiches Industrieland mit mitteleuropäischen Standards. Es gibt sehr viele soziale Probleme und Unsicherheiten. Eigenschaften wie geradlinig, organisiert und verlässlich sind eigentlich Fremdworte. Damit muss man klarkommen. Letztlich muss jeder selbst, je nach Lebenssituation entscheiden, ob so ein Arbeitsengagement gewinnbringend ist. Auch, für welchen Wert man die eigene Leistung und Fachkompetenz “verkauft”. Auch sollte man sich das Land zumindest mal vorab privat anschauen, wenn man es nicht kennt.

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