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Treffen für DaF/DaZ-Lehrende in Berlin (Zentral u. West)
geschrieben von: zembla ()
Datum: 02. Juni 2015 01:02

Bin jetzt DaZ-Dozent und würde gern mit anderen offen sprechen, auch über Stärken und Schwächen sowohl der eigenen Lehrpraxis als auch des gesamten Lehrsystems der Integrationskurse.

Hat jemand Interesse an persönlichen Treffen zwecks Austausch, Reflexion, Diskussion, Zuhören? Wo gibt es in Berlin zwischen Mitte und Spandau eine Gruppe, die sich regelmäßig trifft?

Eine eigene, neue Gruppe könnte sich zum Beispiel in Moabit zusammenfinden...

Hier einige Initial-Verwunderungsgründe meinerseits:

In meinen Kursen passieren allerhand Dinge, die ich nicht steuern kann. Meine Kolleginnen und Kollegen sind seit Jahren als DozentInnen tätig und wirken ausgebrannt und leiden zum Teil unter Herz- Kreislauferkrankungen.

Manche KollegInnen unterrichten tatsächlich über 40 Wochenstunden. Ich frage mich, wie sie qualitativ hochwertigen Unterricht zustande bringen. Dass die Stundenzahl lediglich die Existenz sichert, beginne ich zu begreifen.

Für meine Träger arbeite ich gern, und ich ahne andererseits, dass sie die KursteilnehmerInnen und mich ausbeuten. Ihr Hauptinteresse scheint die Abrechnung der Teilnahme zu sein, nicht das erfolgreiche Bestehen einer DTZ-Prüfung. Kann das sein? Es kommt vor, dass KollegInnen ausfallen, und dann eine Lehrkraft gleichzeitig zwei Gruppen "unterrichtet".

Eine Freundin, hochqualifizierte und erfahrene DaZ-Dozentin, ist durch hohe Rentennachzahlungen in den Schuldenstrudel gefallen.

Freue mich über Hinweise und Resonanzen
Beste Grüße

Zembla

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Re: Treffen für DaF/DaZ-Lehrende in Berlin (Zentral u. West)
geschrieben von: Roswitha Haala ()
Datum: 02. Juni 2015 13:43

Liebe Zembla,

eine zutreffende Beschreibung der Situation von Ik-Lehrkräften!

Schande der Bundesregierung und Rentenversicherung, Ik-Lehrkräfte in den "Schulden-Strudel" zu bringen, statt ihre bei allen anderen privaten Unternehmen geforderte Fürsorgepflicht der angeblich "sozialen Marktwirtschaft" zu übernehmen!!!

Gutes Gelingen für dein Vorhaben! (Ich wohne ganz weit weg ;-) )

Roswitha

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Re: Treffen für DaF/DaZ-Lehrende in Berlin (Zentral u. West)
geschrieben von: DaF2000 ()
Datum: 02. Juni 2015 14:32

Du scheinst langsam zu erkennen, wie krank das System ist. Nicht nur bei den IK ist das so, sondern auch bei normalen Sprachkursen oder sogar bei Firmenkursen (wenn man über einen Vermittler dort ist), bei der VHS, am GI und leider auch bei manchen Unis im In- und Ausland.

Die meisten Angebote, die man als DaF-Lehrkraft bekommt oder finden kann, bringen alle Probleme der Scheinselbständigkeit mit sich und führen in die Altersarmut, zu Krankheit, Depressionen und Schulden, wie bei Deinen Kollegen.

Schon mehrmals habe ich hier geschrieben, dass es für Lehrkräfte nur die folgenden Auswege gibt:

1.) Aussteigen und sich eine anständig bezahlte Arbeit suchen, die die Mindestanforderungen erfüllt (Mindestlohn, Renten- und Sozialbeiträge des Arbeitgebers etc.). Selbst bei Discountern an der Kasse oder als ungelernte Friseuse verdient man mehr.

2.) Einen der ganz wenigen Festanstellungen mit vertretbaren Konditionen ergattern, wobei hier viel Glück dazugehört.

3.) Die Selbständigkeit konsequent angehen, seine eigene Nische finden, direkte Aufträge an Land ziehen. Gute Lehrkräfte sollten sich an Stundensätzen anderer Freiberufler und Experten orientieren. Ich verdiene zwischen 35 und 300 € pro Stunde, je nachdem, ob ich einfache Firmenkure oder kompliziertere Schulungen anbieten. Und ich lebe nicht in Deutschland, sondern in einem Land mit geringeren Lebenshaltungskosten.

Ein paar Beispiele für Stundensätze:

In einem Standardlektorat werden beispielsweise 47 Euro pro Stunde als Empfehlung für das Honorar angesetzt

Der durchschnittliche Wert für die Rechtsanwalts-Stundensätze bewegt sich im Bereich um die 180 Euro.

Wenn eine Versorgungssicherheit durch einen Facharzt der genannten Facharztrichtung garantiert werden soll, empfehlen wir eine Vergütung von 80€ pro Stunde.

Honorarforderungen von seriösen Coaches bewegen sich in einem Rahmen, der für in der Wirtschaft tätige Berater normal ist, d.h. 100–350 Euro pro Zeitstunde.

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Re: Treffen für DaF/DaZ-Lehrende in Berlin (Zentral u. West)
geschrieben von: Carola ()
Datum: 14. Juni 2015 20:56

Hallo zusammen,

ich arbeite nun seit fast 2 Jahren im DaF und bin nun seit bald einem Jahr Freiberuflerin. Bisang wurde hier immer die These vertreten, dass man sich nicht mit diesen Hungerhonoraren abspeisen lassen sollte, und das tue ich auch nicht. Ich habe mittlerweile einige direkte Firmen und Privatkunden, die mir zwischen 38-44€ (Einzel- bzw. Gruppe)für 45 Minuten zahlen. Prinzipiell finde ich das einen fairen Preis, allerdings bin ich mittlerweile dennoch der Überzeugung, dass man trotzdem nicht wirklich auf einen grünen Zweig kommt. (und das,obwohl ich VHS etc. bereits hinter mir gelassen habe) Wenn man ehrlich versteuert, in die Krankenversicherung einzahlt und regulär in die Rente zahlt (schließlich geht es ja bei der Rente auch um sein eigenes Geld), dann ist der ganze freiberufliche Status mehr als deprimierend und kaum haltbar. Ich zahle in Gänze beinahe 60% Abgaben und habe dann noch ständig das Damoklesschwert über mir, nicht über die 17.500€/Jahr (brutto)zu kommen, um dann meine PrivatkundInnen nicht mit der Mehrwertsteuer zu belasten. (Diese Mehrwertsteuerregel spielt natürlich wieder den Staatsschulen wie UNis, VHs in die Hände, da diese ja davon befreit sind).
Ich bin nun wirklich zu dem Schluss gekommen, dass die Gegebenheiten für freiberufliche DozentInnen durch die immensen Sozialabgaben in Deutschland - trotz potentiell fairen Stundensätzen- so schlecht ist, dass sich der Job -obwohl er Spaß macht- einfach nicht lohnt. Um hiervon eingermaßen zu leben und nicht alles der Krankenkasse zu überlassen, wird man im Prinzip entweder dazu genötigt, sich zu hintergehen (indem man nicht in die Rente einzahlt) oder alternativ Steuerhintergehung zu betreiben und dies nicht etwas um wirklich Steuern zu hinterziehen, sondern lediglich um die für eine Freiberuflerin nicht tragbaren Krankenkassenbeiträge von 17%(inkl. Pflegeversicherung) zu tragen.
Mein Fazit: ich suche mir einen anderen Job!!!!
Carola

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Re: Treffen für DaF/DaZ-Lehrende in Berlin (Zentral u. West)
geschrieben von: DaF2000 ()
Datum: 15. Juni 2015 09:05

Hallo Carola,

einen Schritt weiter als die meisten DaFler bist Du ja bereits. Ich würde aber nicht unbedingt so schnell aufgeben.

Wenn Du bei rund 40 €/UE und vorausgesetzten 11 Arbeitsmonaten unter der Umsatzgrenze liegt, heißt das, dass Du weniger als 10 Wochenstunden zu diesen Konditionen arbeitest. Diesen Anteil könnte man verdoppeln. Und die restlichen 5 Wochenstunden mit anderen Sachen "auffüllen". Im Laufe der nächsten Jahre solltest DU dann Schritt für Schritt den Stundensatz erhöhen und Dein Portfolio erweitern (Coaching, Spezialschulungen, Training von deutschen Muttersprachlern).

Dann wärst Du zwar umsatzsteuerpflichtig, was Unternehmen aber nicht weiter stören sollte. Zu den Privatkunden sage ich nur: Der Ehrliche ist der Dumme. Ist man denn als vom Staat betrogener Bürger moralisch dazu verpflichtet, die Erlöse von den Privatkunden zu versteuern?

2 Jahre DaF und 1 Jahr Freiberuflerin ist so viel nicht. Eine Durststrecke am Anfang ist für alle Freiberufler normal. Auch Anwälte oder Ärzte müssen sich in den ersten Jahren sehr strecken. Bei mir ging das auch nicht von heute auf morgen, sondern war ein langjähriger Prozess mit einigen Rückschlägen. Inzwischen kann ich von DaF gut leben, indem ich nicht nur "normale" Kurse anbiete, sondern auch umfangreiche Schulungen wie Präsentations- oder Verhandlungstechniken.

Wie auch immer Du Dich entscheidest, wünsche ich Dir viel Glück!

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Re: Treffen für DaF/DaZ-Lehrende in Berlin (Zentral u. West)
geschrieben von: Joseph Roth ()
Datum: 15. Juni 2015 10:44

Hallo Carola,

das klingt etwas ernüchternd, allerdings habe ich mit Kollegen ein Projekt ins Leben gerufen, das es ermöglicht von diesem Beruf ganz gut zu leben.

Ich hatte dir eine Mail geschickt, aber leider konnte sie unter deiner angegebenen Adresse nicht zugestellt werden.

Wenn du mir eine funktionierende Adresse gibst, sende ich sie dir noch einmal.

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