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Wenn fachlich Unberufene in DaF das Sagen haben: Grammatik, Linguistik & Fremdsprachenmethodik gehören in DaF zusammen!
geschrieben von: Bingo ()
Datum: 19. Februar 2017 16:07

Dieser hier isoliert gepostete Beitrag bezieht sich auf eine Diskussion in einem anderen Thread und findet sich außerdem hier:

[www.deutsch-als-fremdsprache.de]

Nachdem ich inzwischen drei verschiedene, parallel laufende Publikationsprojekte abgearbeitet habe, kann ich mit auch wieder etwas längere Posts erlauben. Also, los geht’s:

Den obigen Post von C.T. kann man als eine Art Re-Inforcement für lernende DaF-Lehrer auffassen, wie man von grammatisch-linguistischer Theorie als einer Art Grundlage zur Umsetzung in eine sinnvolle Unterrichtspraxis kommt.
In dem besagten Posting wurden ja drei Schritte exemplarisch dargestellt.

Ich möchte in diesem Beitrag dieses Drei-Schritte-Schema noch etwas verallgemeinern und darstellen, wie man nach der Erkenntnis, warum und wie Grammatik und Linguistik mit methodischen Erwägungen zur Umsetzung in der Unterrichtspraxis zusammengehören, allgemein umgehen kann.

Zuvor aber: Was ist Grammatik im Verhältnis zur Linguistik? Beides ist nämlich nicht unbedingt das Gleiche.
a) Grammatik bezieht sich auf die sprachspezifischen Regeln einer Sprache wie dem Deutschen, dem Englischen, Chinesischen usw., deren Regelwerk den Lernern zu vermitteln ist, damit sie verständlich kommunizieren. Wie das Aussprachetraining und die Kenntnis von Vokabeln stellt auch das grammatische Regelwerk das Instrumentarium dar, auf denen die vier sprachlichen Fertigkeiten Sprechen, Hören, Lesen und Schreiben aufbauen.
b) Linguistik hingegen bezieht sich auf die Grundlagen, wie Sprache allgemein arbeitet, strukturiert ist und funktioniert. Im Idealfall verarbeitet sie sprachübergreifende, theoretisch alle Sprachen dieser Welt betreffende Erkenntnisse und Gesetzmäßigkeiten, von denen solche zur sprachspezifischen Grammatik wie dem Deutschen nur einen kleinen Teil an Fragestellungen ausmachen. Die Linguistik stellt z. B. das deskriptive Handwerkszeug für sprachspezifische Beschreibungen eines bestimmten grammatischen Regelwerks wie z. B. von unbestimmten/bestimmten Artikel, Relativsätzen im Deutschen und anderen Sprachen bereit.
Beides muss man also strikt auseinanderhalten, und beide Bereiche müssen obligatorischer Bestandteil einer DaF-Lehrer-Ausbildung sein neben fremdsprachenpädagogischen Studienanteilen.

Nun zur der bereits angekündigten Verallgemeinerung der drei Schritte:
1. Der DaF-Lehrer wird in seinem Kurs ein bestimmtes Thema (z. B. sich vorstellen) behandeln, das für heute im Lehrplan vorgesehen ist. Bei der Vorbereitung schaut er sich die im Lehrbuch angegebenen Mustersätze an, leitet daraus die grammatischen Themen ab und liest zu diesen Themen das beschriebene Regelwerk in einer Grammatik wie der von Helbig nach, wenn er sich da unsicher sein sollte (sprachspezifisches grammatisches Regelwerk des Deutschen).
2. Für die Frage, wie er das unterrichtspraktisch vermittelt, muss er nun einige Vorüberlegungen anstellen, die zur Linguistik gehören: Welcher (linguistische) Deskriptionsansatz liegt diesem Regelwerk zugrunde, und ist er geeignet für die Lerner meiner Gruppe? Ich kann z. B. entweder ein traditionell-grammatisches Deskriptionsmodell benutzen, wonach das Subjekt vor oder nach einer finiten Verbform im Satz stehen kann. Oder ich kann valenztheoretisch motiviert vorgehen und stattdessen von 1., 2. und ggf. 3 Ergänzung (Aktant) sprechen. muss dann aber von der Linguistik her wissen, dass in einer valenztheoretisch motivierten Beschreibung das Subjekt keine Sonderstellung wie im traditionell-grammatischen Ansatz mehr einnimmt, und warum und inwieweit gerade das dem Lernprozess der Lerner in meiner Gruppe besonders förderlich sein könnte. Ich muss dabei auch zwischen verschiedenen linguistischen Varietäten unterscheiden können, z. B. zwischen Schwyzerdüütsch „I bi gsi“ für Hochdeutsch„ich bin gewesen“ u.a. soziolinguistisch bzw. regional bedingte Varietätenparameter (Soziolinguistik u.Ä.).
3. Danach überlege ich mir die Schritte für die unterrichtspraktische Umsetzung. Dabei gehe ich in erster Linie von den lernerspezifischen Bedürfnissen meiner Lernergruppe aus. Solche Überlegungen kann ich aber nicht fundiert anstellen, wenn ich die beiden vorherigen Schritte nicht gründlich abgearbeitet habe. Denn: die ungefähr etwas über 100 Jahre alte fremdsprachenmethodische Diskussion ist immer ganz eng in Anlehnung an die jeweiligen linguistischen Richtungen und Ansätze, die zu einem bestimmten Zeitpunkt populär waren, erfolgt. M. a. W.: Ein fremdsprachenmethodischer Ansatz wie z. B. der heute allgemein verbreitete kommunikative Ansatz ist historisch immer das Ergebnis einer bestimmten linguistischen Ausrichtung in der Beschreibung von Sprache. Im Falle des kommunikativen Ansatzes war es vor allem die Sprechakttheorie von Searle et al. sowie später darauf aufbauende linguistische Ausrichtungen, die etwa ab Ende der 1970er Jahre für die Fremdsprachenmethodik allgemein führend wurde. Solche Ansätze werden, da oft „einseitig“, immer wieder abgelöst durch andere, die an Popularität gewinnen. Dabei ist es immer so, dass die linguistische Ausrichtung immer vorangeht und dann die entsprechende fremdsprachenmethodische erst darauf folgt.

Was sehen wir daraus? Hier die Antworten :
1. „Theoriefreien“ DaF-Unterricht und entsprechende Lehrbücher kann es schon auf Grund des unter 3 Gesagten nicht geben.
2. „Theoriefreie“ DaF-Leerer-Ausbildung ohne die erforderliche Verzahnung von Grammatik, Linguistik und fremdsprachenpädagogischen Ansätzen in den Inhalten ist sachlich verkehrt und unvollständig, bedeutet Niveauabsenkung und führt zur masseweisen Heranzüchtung von „Leer“- statt „Lehrkräften“.
3. Diese Niveauabsenkung ist ideologisch bedingt und dient allein den Interessen derer, die eine solche Ideologie vertreten (z. B. Klitschen und ihre Interessenverbände, institutionelle DaF-Monopole, usw.).



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 19.02.17 16:19.

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Re: Wenn fachlich Unberufene in DaF das Sagen haben: Grammatik, Linguistik & Fremdsprachenmethodik gehören in DaF zusammen!
geschrieben von: Grillemeyer ()
Datum: 12. März 2017 09:17

Vielen Dank...
deinen drei Schlußfolgerungen ist nicht viel hinzuzufügen.

Bestenfalls noch die Frage, welche Ziele die zugrunde liegende Ideologie eigentlich verfolgt.


Grille

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Re: Wenn fachlich Unberufene in DaF das Sagen haben: Grammatik, Linguistik & Fremdsprachenmethodik gehören in DaF zusammen!
geschrieben von: Bingo ()
Datum: 12. März 2017 10:08

Das Ziel ist Niveauabsenkung, so dass auch schlecht ausgebildete Quereinsteiger in den Klitschen und Monopolträgern wie dem GI "unterrrichten" können zu Hungerlöhnen, die ein spezielles DaF-Prolrtariat schaffen (das es ja heute im Rahmen der Scheinselbständigkeit schon gibt).

Im Bereich von Englisch als Fremdsprache gibt es das ja auf dem einschlägigen "Markt" schon lange, wo ehemalige Türsteher und Mac-Donalds-Mitarbeiter, die oft nicht bis zehn zählen können und noch nicht mal richtiges Englisch schreiben können, dann ihre Muttersprache "unterrichten" und sich plötzlich "Lee(h)rer" schimpfen können - an den vielen Klitschen in China, Japan und Korea besonders verbreitet.

Im DaF-Bereich findet gerade diese "Marktangleichung" statt...

(Von der Redaktion gelöscht, da der Kommentar gegen die Nutzungsbedingungen des Forums verstößt.)


Zitat

Bestenfalls noch die Frage, welche Ziele die zugrunde liegende Ideologie eigentlich verfolgt.


Hinweis für eher konventionell/konservativ eingestellte Leser und auch an die Foren-Redaktion:

Wer Anstoß an meiner Karikatur von den "Affen" nimmt, dem sei gesagt, dass viele der englischsprachigen seriösen und gut ausgebildeten Kollegen im Bereich von Englisch als Fremdsprache den Terminus "white dancinng monkeys" selber benutzen zur Beschreibung dieser unhaltbaren Zustände. Da ich selber auch lange in diesem Bereich gearbeitet, unterrichtet und auch Englisch-Lehrkräfte in einem eigens dafür konzipierten Master-Studiengang ausgebildet habe, habe ich ein gewisses Insider-Wissen und beschreibe nur die tatsächlichen Zustände, die im englischen Sprachbereich eben etwas "deftiger" bewertet werden, während viele Deutsche zum Lachen immer noch in den Keller gehen. Es nutzt am Ende gar ´nichts, wenn der deutsche Michel mit der Zipfelmütze sich diese Zustände noch schönreden will. Klare Ansage ist viel besser und der erste Schritt zu einer konstruktiven Lösung.



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.03.17 15:43.

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Re: Wenn fachlich Unberufene in DaF das Sagen haben: Grammatik, Linguistik & Fremdsprachenmethodik gehören in DaF zusammen!
geschrieben von: Charles Trojan ()
Datum: 22. März 2017 09:10

ZITAT FAZ vom 21.3.2017:

Direktoren schlagen Alarm Jeder zehnte neue Lehrer hat keine pädagogische Ausbildung

Weil in ganz Deutschland Lehrer fehlen, stellt der Staat viele Seiteneinsteiger ohne pädagogische Erfahrung ein.


Warum sollte es in DaF/DaZ anders sein ?

C.T.

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Re: Wenn fachlich Unberufene in DaF das Sagen haben: Grammatik, Linguistik & Fremdsprachenmethodik gehören in DaF zusammen!
geschrieben von: Dracula ()
Datum: 23. März 2017 11:30

> Direktoren schlagen Alarm Jeder zehnte neue
> Lehrer hat keine pädagogische Ausbildung
>
> Weil in ganz Deutschland Lehrer fehlen, stellt der
> Staat viele Seiteneinsteiger ohne pädagogische
> Erfahrung ein.



Keine pädagogische AUSBILDUNG und keine pädagogische ERFAHRUNG sind aber zwei Paar Stiefel. Ich habe selber kein EWS gemacht, bin selber 'Seiteneinsteiger', bringe aber 16 Jahre Unterrichtserfahrung mit. Dass jemand von der Uni zwangsläufig besser ist, nur weil er in EWS war, wage ich zu bezweifeln.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 25.03.17 09:50.

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