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der Klagevogt
geschrieben von: mezeijudit ()
Datum: 24. Mai 2006 13:50

Guten Tag!

ich möchte wissen, was bedeutet 'der Klagevogt' und 'der Streubesitz'.
Free float auf englisch, also es ist ein Wort aus der Wirtschaftswelt, aber es kommt mir recht verdächtig vor.

Mit schönen Grüssen
Judit

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Re: der Klagevogt
geschrieben von: Redeker, Bangkok ()
Datum: 24. Mai 2006 19:19

Guten Abend Judit,

nur in der modernen Wirtschaft ist der "Streubesitz" ein Aktienfond aus verschiedensten Bereichen (free float).

Zu der Zeit der Könige und der Vogte allerdings ist ein Streubesitz Land, das durch Teilung, Zukauf oder Zuerwerb unzusammenhängend, gestreut, verteilt ist. Ein Acker hier, ein Wald dort: ein Flickenteppich auf der Landkarte.

Der Vogt ist ein königlicher Beamter oder Verwalter, der auch stellvertretend als Richter eingesetzt sein konnte.

Hier ist der Link zur Wikipedia.

Bei dem Gedicht 'Streubesitz, staubunmittelbar' denke ich [IMHO] an verstreute Empfindungen, unzusammenhängende Gedankenbilder, Erinnerungen, die wie Staub im Bewußtsein erscheinen.

Ich denke an einen abendlichen Sonnenstrahl, in dem Staubkörnchen tanzen.

Ich kann aber wahrhaftig nicht behaupten, dass ich das Gedicht verstehe.

Wer sind die Klagevögte? Was ist dieser Tropfen Gold?


Mit freundlichen Grüßen

Michael




Michael Redeker



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 24.05.06 19:22.

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Re: der Klagevogt
geschrieben von: mezeijudit ()
Datum: 24. Mai 2006 20:23

Guten Abend, Michael!

Danke die Erklärung, aber was ist das "Klagevogt"? Klagemauer, klagen- kenne ich, aber in diesem Zusammenhang verstehe ich nicht. (oder im Sinne z.B. wie Pilatus?)
Ich kann jetzt nicht auf die Fragen antworten, jetzt versuche zuerst die Wörter zu verstehen, dann denke ich nach. Am Anfang dachte ich, das wir sind im Börse, z.B. und dort nur das Gold wichtig sei, die Gedanken gar nicht, aber nach euren Erklärung verstehe ich jetzt gar nichts, lieber verstehe ich, dass habe ich das Gedicht ganz in Ganzem missverstanden. Interessant, ich muss noch viel nachlesen.

Danke, mit schönen Grüssen
Judit



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 24.05.06 20:47.

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Re: der Klagevogt
geschrieben von: Redeker, Bangkok ()
Datum: 25. Mai 2006 06:33


Guten Morgen Judit,

der Vogt ist auch ein Richter, bei dem oder vor dem Klage, Anklage erhoben werden kann. (Wie Pilatus.) Man kommt zu dem Richter, weniger um sich zu beschweren oder zu beklagen. Man fordert Recht und Gerechtigkeit.

Der Vogt kann auch als Vertreter des Herrschers ein 'Staatsanwalt' sein, der Klage gegen eine Ungerechtigkeit erhebt.



Mit freundlichen Grüßen

Michael

Michael Redeker

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Re: der Klagevogt
geschrieben von: mezeijudit ()
Datum: 25. Mai 2006 06:59

Guten Morgen Michael!
Ja, stimmt, dieses Wort verstehe ich schon.
Danke.
Mit freundlichen Grüßen
Judit

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Re: der Klagevogt
geschrieben von: mezeijudit ()
Datum: 25. Mai 2006 15:47

Guten Tag Michael!
Gehen wir ein bisschen weiter.
Ich verstehe jetzt so, dass die gedankenlose Beamten hängen von der Klagevögten. (königshart, nachthart). Oder gedanklose Nachrichten schweben in die Hände...? Leider der Botschaft bedeutet auf ungarisch entweder Beamte, oder Nachricht.
Hat es etwas Sinn? Oder es stimmt auch nicht?
Mit schönen Grüssen
Judit



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 25.05.06 19:13.

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Re: der Klagevogt
geschrieben von: Redeker, Bangkok ()
Datum: 25. Mai 2006 19:39

Guten Abend Judit,

"die den Gedanken entzognen Botschaften" sind vielleicht Empfindungen, Gefühle oder Träume. Aber nur, wenn diese Vorgänge in einer Person stattfinden. Sie denken an "Nachrichten": vielleicht spricht der Dichter hier wirklich über Fernsehnachrichten.

Wieso haben die Hände der Klagevögte einen Knick in der Lebenslinie?

Was machen Sie aus dem

"der eine ewige
Tropfen
Gold."?

Mit freundlichen Grüßen

Michael





Michael Redeker

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Re: der Klagevogt
geschrieben von: mezeijudit ()
Datum: 25. Mai 2006 19:49

Redeker, Bangkok schrieb:
-------------------------------------------------------
Guten Abend Michael!

> Wieso haben die Hände der Klagevögte einen Knick
> in der Lebenslinie?

Weiss ich noch nicht, vielleicht werden sie bald sterben.
>
> Was machen Sie aus dem
>
> "der eine ewige
> Tropfen
> Gold."?
>
Damit kann ich jetzt noch nichts zu tun. Ich zerbreche meinen Kopf.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend
Judit

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Re: der Klagevogt
geschrieben von: mezeijudit ()
Datum: 26. Mai 2006 14:34

Guten Tag Michael!
In Ezoterik habe ich gelesen, dass die Menschen unter dem kleinen Finger eine strahlende kleine Linie haben, die strahlt wie Gold.Es knüpft uns zur Sonne. (ich habe gesucht mit Google: Lebenslinie und Gold, freilich auf ungarisch)
Na, es kann sein, aber es hilft mir nicht viel,
mit schönen Grüssen
Judit

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Re: der Klagevogt
geschrieben von: Redeker, Bangkok ()
Datum: 26. Mai 2006 18:49

Guten Abend Judit,

kennen Sie diese
engelische Übersetzung?

Freundliche Grüße

Michael

Michael Redeker

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Re: der Klagevogt
geschrieben von: mezeijudit ()
Datum: 26. Mai 2006 19:13

Ja, Michael, ich kenne diese englische Übersetzung, aber grievance-
stewarts ist für mich auch unbekannt. Nach meiner Meinung die englische Sprache, Gedankenweisen und die Deutsche sind sehr ähnliche, ihr habt damit Glück.
Ich lese jetzt über den Mittelalter, weil auf ungarisch kenne ich nicht dieses Wort (Klagevogt). Und aus englischem folgt auch nicht, was will er mit dem Gold sagen.
Sie verstehen es auf englisch besser, als auf deutsch? Die amerikaner können eigentlich fast wörtlich übersetzen, es geht auf ungarisch nicht.
Mit schönen Grüssen
Judit
ps: noch etwas, ich benutze gar nicht gerne die englische Übersetzungen, nicht einmal habe ich bemerkt, dass sie verstehen auch nicht das Gedicht, und z.B. mit "Was näht" haben sie gar nicht gut übertragen. Es war auch ein lange Diskussion mit Franziska und Jülirö, weil ich habe nicht verstanden es "Was näht an dieser Stimme", auf englisch ist es so:
WHAT SEWS
this voice?
Es ist gar nicht genau, wenn ich gut verstehe.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 26.05.06 19:36.

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Re: der Klagevogt
geschrieben von: mezeijudit ()
Datum: 29. Mai 2006 13:23

Guten Tag Michael!

Obwohl habe ich eine Menge juristische Fachbücher gelesen, habe ich etwas sehr interessantes gefunden- nicht beim Juristen-, sondern bei Rilke.
Duineser Elegien (10.)
"Und sie leitet ihn leicht durch die weite Landschaft der Klagen, zeigt ihm die Säulen der Tempel oder die Trümmer jener Burgen, von wo Klage-Fürsten das Land einstens weise beherrscht."
Was sagen Sie dazu?
Mit schönen Grüssen
Judit



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 29.05.06 13:40.

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Re: der Klagevogt
geschrieben von: Redeker, Bangkok ()
Datum: 30. Mai 2006 07:45

Guten Morgen Judit,

das ist ein schöner Fund!

Bei Rilke müsste sich dann auch etwas zu Gold finden lassen.

[Vielleicht darf man an ewiges Gold = Wahrheit = Poesie denken. Und aus all dem Leid und Tod wird ein Gedicht.]

Michael

Michael Redeker

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Re: der Klagevogt
geschrieben von: mezeijudit ()
Datum: 30. Mai 2006 12:45

Guten Tag Michael!

Ja, mir war genug von Juristen, versuchte bei Hölderlin und Rilke suchen, jetzt suche ich nach dem Gold. Muss ich etwas finden, sonst hat das Gedicht keinen Sinn. Ich weiss schon, das wenn ich etwas nicht verstehe, dann verweist Celan immer an einen anderen Gedanke, also das Intertextualität ist bei ihm sehr wichtig.

Mit schönen Dank für die viel Hilfe
Judit

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Re: der Klagevogt
geschrieben von: mezeijudit ()
Datum: 30. Mai 2006 15:27

Guten Tag, Michael!

Ich habe es gefunden
[rainer-maria-rilke.de]

"Zwang-Idee", Celan war in dieser Zeit oft in einem psychiatrischen Klinik. Wäre es gut zum Verstehen das Gedicht?
Mit freudlichen Grüssen
Judit

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Re: der Klagevogt
geschrieben von: Redeker, Bangkok ()
Datum: 05. Juni 2006 11:50

Guten Tag Judit,

leider ist mein Heimcomputer kaputt. Ich habe alle E-Mail-Adressen verloren.
Hier ist ein Auszug aus dem Antwortschreiben von Prof. Subramanian zu Rilkes Duineser Elegien:

"Die Zehnte Elegie signalisiert gleichsam die Abkehr von der Welt, vom bunten Treiben des "Jahrmarkts" und verzeichnet zugleich die Wendung bzw. die Rückkehr nach dem Reich des Inneren, dem Schoß oder der Quelle (= nivritti, pratiprasava in der Sprache der indischen Mystik, oder antilepsis in der Sprache des Höhlengleichnisses). Rilke schildert die Stationen der "Lethe-Überquerung", wobei die Klagevögte metaphorisch für die Herrschaft über die Anamnese, für die im Zusammenfluß von Glück und Leid, von Leben und Tod wiederhergestellte Ordnung in der Ordnung des Bewußtseins stehen. Sie walten über den Seinsbereich bzw. über eine Seinsdichte, die sich aus der Daseinsintensität ergibt, wenn Leben und Tod, die zwei Hälften des Daseins, vollkommen deckungsgleich werden.

Bei Celan wäre dann vielleicht folgende Überlegungen von Belang:

1. Knick der Lebenslinie = Tod
2. der eine ewige Tropfen Gold= aurum potabile, Der Ewigkeit (= aus Leben und Tod zusammengesetzte) spendende Tropfen Gold
Zu beachten ist, dass der Knick 'lautlos' erfolgt: Wo Leben und Tod sich in der Ewigkeit begegnen, hört die Sprache auf (bzw. die Klagelaute)."


Freundliche Gruesse,

Michael


Michael Redeker

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Re: der Klagevogt
geschrieben von: mezeijudit ()
Datum: 05. Juni 2006 20:11

Guten Abend Michael!
Danke, es hilft mir sehr viel. Zufällig habe ich diese Nachricht gefunden, wohin könne ich meine email Adresse wieder schreiben?
Mit schönen Grüssen
Judit

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