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Nochmal der Imperativ
geschrieben von: Tomas ()
Datum: 20. März 2009 15:14

Ich habe nochmal Fragen zum Imperativ.

Die Imperativformen von "sein" sind bekanntlich "sei!", "seid!", "seien Sie!".

Nun habe ich bei meinen Querlesereien in Grammatiken irgendwo erhascht, dass der Imperativ eine "besonders ursprüngliche und archaische Art" der sprachlichen Kommunikation sei. Daher würde man bei "sein" die vom Verbstamm selbst abgeleiteten Formen verwenden.

Ist da was dran?

Und wenn ja, wieso verwendet man bei Verben mit Vokalwechsel (sprechen, geben, lesen zum Beispiel) im Imperativ singular die Formen mit gewechseltem Vokal (sprich!, lies!, gib!) ohne dasselbe bei "sein" zu machen.

Scherzhaft übertrieben: Sind die Engländer gar konsequenter als wir Deutschen, wenn sie "Be!" sagen, also die konsequente, gesprochene Imperativableitung von "du bist!" verwenden?

Ich ertappte mich selbst dabei, wie ich mal aus Versehen den Imperativ von "lesen" so formte: "Lese!". Ist das ein idiosynkratischer, persönlicher Fehler, oder steckt da mehr dahinter, regionale Variation und so weiter?

Und dann steht noch in irgendeiner Grammatik, dass der Imperativ singular von "frühstücken" "frühstücke!" sei, da das Verb "frühstücken" keinen eigenen Verbalstamm habe, sondern direkt vom Nominalstamm abgeleitet sei.

Also als zusätzliche Regel für den "-e-Imperativ" (normalerweise bei Verben auf -t, -d, ln, rn, und ig) nun auch noch berücksichtigen, ob Verb einen Verbalstamm hat oder von einem Nominalstamm abgeleitet ist?

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Re: Nochmal der Imperativ
geschrieben von: jero ()
Datum: 20. März 2009 18:51

Zitat
Ich ertappte mich selbst dabei, wie ich mal aus Versehen den Imperativ von "lesen" so formte: "Lese!". Ist das ein idiosynkratischer, persönlicher Fehler, oder steckt da mehr dahinter, regionale Variation und so weiter?

Hallo,

vielleicht ist das auch eine Tendenz. Ich beobachte das sehr oft, dass Leute "Les!", "Ess!", "Werf!", "Tret!", "Nehm!" usw. sagen. Umgangssprachlich ist das schon ziemlich weit verbreitet.

jero
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Re: Nochmal der Imperativ
geschrieben von: jero ()
Datum: 20. März 2009 19:04

Zitat
Und dann steht noch in irgendeiner Grammatik, dass der Imperativ singular von "frühstücken" "frühstücke!" sei, da das Verb "frühstücken" keinen eigenen Verbalstamm habe, sondern direkt vom Nominalstamm abgeleitet sei.
Also als zusätzliche Regel für den "-e-Imperativ" (normalerweise bei Verben auf -t, -d, ln, rn, und ig) nun auch noch berücksichtigen, ob Verb einen Verbalstamm hat oder von einem Nominalstamm abgeleitet ist?



Hm, was übersehe ich denn da?! Das Verb -frühstücken- bildet seine Imperativformen doch ganz und gar regelhaft.

du frühstückst = Frühstück(e)!
ihr frühstückt = Frühstückt!
sie frühstücken = Frühstücken Sie!


Wo ist denn da das Problem?

jero
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Re: Nochmal der Imperativ
geschrieben von: jero ()
Datum: 20. März 2009 19:11

[quote="-e-Imperativ" (normalerweise bei Verben auf -t, -d, ln, rn, und ig)][/quote]

In [color=#FF0066]meines Großvaters kleiner Grammatik[/color] lese ich dazu interessanterweise noch:

[i]"... Die alte Regel, dass starke Verben ihren Imperativ des Singulars nur ohne -e, schwache nur mit -e bilden, ist heute nicht mehr aufrechtzuerhalten. Bis auf bestimmte Ausnahmen können heute auch starke Verben den Imperativ des Singulars mit -e bilden. ..."[/i]

[url]http://www.amazon.de/Kleine-Grammatik-deutschen-Sprache-Walter/dp/B0000BJW99/ref=cm_pdp_review_teaser_product/279-3191295-2135663[/url]

Ich finde, das gilt rund 50 Jahre später immer noch, wobei zu beobachten ist, dass das -e (abgesehen von den von dir genannten Verbstammendungen) tendenziell generell eher weggelassen wird.

jero
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Re: Nochmal der Imperativ
geschrieben von: Franziska ()
Datum: 21. März 2009 23:00

Zitat
Ich finde, das gilt rund 50 Jahre später immer noch

Das finde ich ganz und gar nicht! Der Imperativ im -e verschwindet doch immer mehr,
bis auf die absoluten Muss-Ausnahmen wie "widme dich" oder "atme tief durch".



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 22.03.09 13:11.

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Re: Nochmal der Imperativ
geschrieben von: jero ()
Datum: 22. März 2009 10:40

Guten Morgen Franziska,

da hast du aber das Zitat aus dem Zusammenhang gerissen, denn ich schrieb:

Zitat
Ich finde, das gilt rund 50 Jahre später immer noch, wobei zu beobachten ist, dass das -e (abgesehen von den von dir genannten Verbstammendungen) tendenziell generell eher weggelassen wird.

Soll heißen, ich meinte, es gilt immer noch, dass sowohl schwache als auch starke Verben im Imperativ Singular ein -e haben können. Dass also stark oder schwach dafür kein Kriterium mehr ist. So, wie es auch in dem Zitat steht, auf das ich mich bezog. Das andere schrieb ich danach. Das ist der Teil, den du weggelassen/übersehen hast.

jero
www.cafe-deutsch.de

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Re: Nochmal der Imperativ
geschrieben von: jero ()
Datum: 22. März 2009 12:49

Zitat
Der Imperativ im -e verschwindet doch immer mehr,
bis auf die absoluten Muss-Ausnahmen wie "widme dich" oder "bete mehr".


... übrigens ist das -e nach einem Verbstamm auf -d/t oder einem Verbstamm auf -m/n gar nicht so eine absolute Muss-Ausnahme, siehe:

a) Verben auf -t mit Vokalwechsel (Brechung)

Grüß Gott, tritt ein, bring Glück herein!
Werd(e) endlich fertig!


b) schwache Verben

Wart(e) mal!

c) Verben mit Verbstamm auf -m/n

Lern(e) fleißig! Summ(e) doch mit uns mit! Brumm(e) nicht so laut!

jero
www.cafe-deutsch.de

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Re: Nochmal der Imperativ
geschrieben von: Franziska ()
Datum: 22. März 2009 13:09

Auch guten Morgen! (Sonntags ist der Morgen etwas später ... ;-)

Zitat
Soll heißen, ich meinte, es gilt immer noch, dass sowohl schwache als auch starke Verben im Imperativ Singular ein -e haben können. Dass also stark oder schwach dafür kein Kriterium mehr ist.

Nee Jero, das hatte ich schon so verstanden, und gerade dieses "Können" stört mich: Weg mit dem "e"! Das kann absolut nicht überall angehängt werden, und wenn ich im Alltag manchmal Leute höre, die sich "gewählt" ausdrücken wollen und dann "gehe" und "mache" sagen, finde ich es schrecklich. Es lebe die Schlichtheit!
;-)
Deine Beispiele mit "werd", "wart" und "Lern" betreffen in meinen Augen keine wirkliche Muss-Regel. Das sind wirklich nur ganz wenige, siehe Link oben. Weil "widm" oder "atm" oder "rechn" einfach nicht normal auszusprechen wäre. Dort steht:
Immer mit "e" bei Verben, deren Stamm auf einen Verschluss- oder Reibelaut + m oder n enden.
"Bete" kann tatsächlich auf sein "e" verzichten, das korrigiere ich!

Letztendlich denke ich aber, dass wir da einer Meinung sind: Man soll sich nicht so sklavisch an irgendwelche Regeln halten, sondern den Imperativ kurz und schmerzlos in den Alltag einbauen. Egal, ob mit oder ohne Ausrufezeichen. Und gerne ohne "e".



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 22.03.09 13:17.

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Re: Nochmal der Imperativ
geschrieben von: jero ()
Datum: 22. März 2009 13:35

Zitat
Nee Jero, das hatte ich schon so verstanden, und gerade dieses "Können" stört mich: Weg mit dem "e"! Das kann absolut nicht überall angehängt werden, und wenn ich im Alltag manchmal Leute höre, die sich "gewählt" ausdrücken wollen und dann "gehe" und "mache" sagen, finde ich es schrecklich. Es lebe die Schlichtheit!

Hallo Franziska,

ich glaube jetzt, wir beide legen die Aussage von Walter Jung (siehe oben) unterschiedlich aus. Mir scheint, du verstehst sie so, dass man auch an jedes starke Verb im Imperativ Singular ein -e anhängen kann, wenn man will und dass man das im Sprachgebrauch auch tut.

Ich verstehe ihn "nur so", dass stark oder schwach nicht mehr das Kriterium dafür ist, ob mit oder ohne -e (weil inzwischen auch einige starke Verben mit Endungs-e gebräuchlich sind/waren), sondern dass für die Frage mit oder ohne -e jetzt (nur noch) andere Kriterien ausschlaggebend sind. Aber diese anderen Kriterien bewirken weiterhin, dass man im tatsächlichen Sprachgebrauch nicht an jedes Verb im Imperativ Singular ein -e anhängt.

jero
www.cafe-deutsch.de



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 22.03.09 13:36.

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Re: Nochmal der Imperativ
geschrieben von: Franziska ()
Datum: 22. März 2009 22:16

Ah! Verstanden!!

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