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Korea
geschrieben von: Coco Lores ()
Datum: 08. September 2019 06:26

[Aufgrund der ausführlichen Darstellung zur aktuellen Arbeitssituation in Korea 2019, haben wir den Beitrag in dieses Forum verschoben. Vielen Dank an Coco Lores für die Infos!; IIK Online-Redaktion]

Der Beitrag ist ja inzwischen 18 Jahre alt, hier mal ein kleines Update:

Germanistik ist hier klar auf dem absteigenden Ast. Die Zahl der Deutschlernenden an Schulen ist von 500.000 in den 90er Jahren auf nur noch 6000 Schüler/innen gesunken. Damals war es eine gängige/verpflichtende Fremdsprache im Sekundarbereich, das ist jetzt vorbei. Seit den Reformen 1995 ist eine zweite Fremdsprache optional.

Die Schüler lernen notgedrungen das, was fürs Abitur und die Eingangsprüfungen an den Universitäten notwendig ist, Deutsch kostet da zu viel Zeit.
Von den derzeit noch 300 Professoren ("Professor/in" werden alle Lehrenden genannt) gehen in den nächsten Jahren 100 in Rente, spätestens dann ist mit Verkleinerungen oder Zusammenlegung mit anderen Fachbereichen zu rechnen.
Das heißt im Klartext: Hier zu arbeiten, ist eher eine kurzfristige als mittel- oder langfristige Perspektive.

Wie in Taiwan oder China auch studieren relativ viele leistungsschwächere Studierende Deutsch, weil die Noten für das Wunschstudium nicht ausgereicht haben. Wichtig ist, an welcher Universität man studiert.Das hat sich seit den späten 90ern nicht wesentlich geändert:
"Das Studium allgemein beliebter Fächer wie Medizin, Jura und Wirtschaftswissenschaften bleibt denjenigen vorbehalten, die ein sehr gutes Ergebnis erzielen.
Die Germanistik findet sich auf der Beliebtheitsskala auf einem der letzten Plätze. Das Studienfach wird in Korea also in den wenigsten Fällen aus Neigung und Interesse gewählt. Es gilt: Lieber Germanistik an einer anerkannten Hochschule als das Fach der Träume an einer kleinen Provinzuniversität." Giersberg (1998, 468)


Engagierte Lernende gibt es in den Bereichen Philpsophie, Theologie, Musikwissenschaft, Ingenieurwissenschaften/technische Fächer. Ziel ist da ein Master oder eine Promotion in Deutschland.

Internationalisierung wird trotz absehbarem Rückgang der einheimischen Studierenden aufgrund der Geburtenzahlen nur sehr zaghaft angegangen, 2018 gab es gerade mal 142.205 ausländische Studierende, mehrheitlich (rund 128.000) aus Asien, wiederum rund 68.000 aus China und 27.000 aus Vietnam.
Europäische Studierende gab es nur rund 5.500, vor allem aus Frankreich und Russland.
Der Anteil ausländischer Lehrkräfte an Universitäten lag 2018 bei 6,7%.
[kess.kedi.re.kr]

Lebenshaltungskosten:

Wohnraum ist (außerhalb Seouls) nicht ganz so teuer wie in Deutschland, Baumängel oder Schimmel aber ein Problem
Öffentlicher Nahverkehr ist relativ günstig
Sport ist teurer
Extrem teuer sind Obst (Weintrauben 7-8 Euro, 100 g Cocktailtomaten im Hochsommer 2 Euro), auch einige Drogerieartikel (Tampons kosten das 4-5fache, Deo durchaus 5-7 €,beides eher unüblich).
Schuhe sollte man sich mitbringen, die gibt es vorwiegend in schlechter Qualität
Es gibt kaum Ausländer im Land (3%), deshalb auch kaum ausländische Läden/Restaurants/Gruppen

Allgemeines

Wenn Flugkosten nicht übernommen werden, sollte man Deadlines angeben, bis zu welchem Termin die Stellenzusage gilt und sich parallel weiter bewerben, um auf der sicheren Seite zu sein, falls nachverhandelt oder gekürzt wird.
Außerdem besteht sonst die Gefahr, dass die Formalitäten bei der Einwanderungsbehörde zu spät abgewickelt werden und man höhere Flugkosten hat als nötig. Der Anreiz, sich rechtzeitig drum zu kümmern, ist halt nicht gegeben.

Gehalt

Das Gehaltsniveau liegt bei etwa 3-4 Millionen Won, je nach Uni gibt es Publikationszwang,
Stellenausschreibungen bekommt man über die Lektorenvereinigung Korea.

Verbreitet ist eine Kombination aus Grundgehalt und Zuschüssen - so spart der Arbeitgeber. Der Haken ist, dass man so natürlich auch nur geringe Beiträge in der Rentenversicherung hat.
Abgaben für die Sozialversicherung (Stand 2019 ca. 8,5%) und Steuern (vereinfacht gesagt bis 12 Millionen Won 6%, 12-46 Millionen Won - 15%) sind im Vergleich zu Deutschland spottbillig, Krankenversicherung deckt aber auch weniger ab und man muss entsprechend zuzahlen. An manchen Unis gibt es nicht mal Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Zwischen Deutschland und Korea gibt es ein Doppelbesteuerungsabkommen und ein Sozialversicherungsabkommen. Informationen dazu findet man auf der Homepage der Botschaft bzw der deutschen Rentenversicherung.
Man kann sich seine geringen RV-Beiträge (inlusive Arbeitgeberanteil und Zinsen) bei der Ausreise auf Antrag wieder auszahlen lassen, davon ist meiner Meinung nach aber eher abzuraten diese Zeiten werden ja in Deutschland mitgerechnet bei Anwartschaftszeiten usw.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 08.09.19 13:34.

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Re: Korea
geschrieben von: bobaka ()
Datum: 10. September 2019 21:33

Danke für die Infos. Ich kann alle Angaben aus eigener Erfahrung bestätigen.
Trotzdem ist die Anstellung an einer Uni eine der besten Optionen für DaFler; Hagwons sollte man nach Möglichkeit aber strikt meiden.

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