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Unterschiede in zeitlichen Aspekten zwischen Perfekt und Präteritum
geschrieben von: Tomas ()
Datum: 15. November 2007 19:39

Unterschiede in zeitlichen Aspekten zwischen Perfekt und Präteritum

Im Internet pickte ich irgendwo Folgendes auf:

"Das Perfekt ist im gesprochenen Deutsch die herrschende Verbform für die Beschreibung von Vergangenem z. B. im Satz Ich habe gegessen.

Das Präteritum dagegen, welches die gleiche Zeitstufe ausdrückt wie das Perfekt, ist die Erzählzeit vor allem in schriftlichen Texten: Ich aß."

Aber ist das Alles? Ist der gesamte Unterschied zwischen Perfekt und Präteritum wirklich nur der zwischen gesprochenem und geschriebenem Text? Nun gut, ich weiß, es gibt auch noch den Umstand, dass die Süddeutschen eher das Perfekt mögen und die Norddeutschen das Präteritum. Aber das Alles hat noch NICHTS mit meiner Frage zu tun.

MEINE FRAGE LAUTET NÄMLICH:

Ein hypothetischer Sprecher-Schreiber-Schriftsteller, welcher sowohl das Perfekt als auch das Präteritum verinnerlicht hat und gut beherrscht, hat Gründe in ein und demselben Text aus Aspektmotiven heraus manchmal das Perfekt und manchmal das Präteritum zu verwenden?

Ich selber neige dazu, wichtige Handlungen, deren Wirkung bis heute oder bis zum Schluss der Erzählung noch wesentlich sind, und die das "historische Gerüst", sozusagen den "Plot", des Textes markieren, ins Perfekt zu setzen, wohingegen länger andauernde Umstände des Textes (es regnete, es schien die Sonne, es hagelte etc.) oder unwichtigere Handlungsnebenstränge (er zündete eine Zigarette an) von mir ins Präteritum gesetzt werden.

Ist das richtig so?

Oder ist das Alles Quatsch, und es gibt tatsächlich keinen wesentlichen Unterschied, auf der Zeitachse, beim wechselnden Gebrauch von Präteritum und Perfekt?

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Re: Unterschiede in zeitlichen Aspekten zwischen Perfekt und Präteritum
geschrieben von: Franziska ()
Datum: 15. November 2007 22:52

Hallo Tomas! Du hast schon Recht, es gibt einen Unterschied, und ich empfinde das ähnlich wie du: Wenn die Handlung noch einen Bezug zur Gegenwart hat, verwende ich (auch im geschriebenen Text) das Perfekt.
Beispiel:

Dann schloss ich langsam die Tür. Seitdem habe ich ihn nie wieder gesehen.

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Re: Unterschiede in zeitlichen Aspekten zwischen Perfekt und Präteritum
geschrieben von: Redeker, Bangkok ()
Datum: 16. November 2007 04:34


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Re: Unterschiede in zeitlichen Aspekten zwischen Perfekt und Präteritum
geschrieben von: Charles Trojan ()
Datum: 16. November 2007 12:54

...für DaF Unterrichtende:
Wenn man Perfekt als "resultatives Perfekt" unterrichtet, erzielt man bei Lernern ein recht genaues Gefühl für die Differenzierung zwischen Prät und Perf (was in der deutschen Umgangssprache sowieso kaum vorhanden ist), also z.B.:

A: Mein Auto ist weg
B: Vielleicht hat es jemand gestohlen
Vielleicht ist es abgeschleppt worden usw.

Perfekt erklärt also etwas Aktuelles, daher "Resultatives Perfekt"...

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Re: Unterschiede in zeitlichen Aspekten zwischen Perfekt und Präteritum
geschrieben von: Willi ()
Datum: 24. Februar 2011 13:34

Das ist zwar richtig, aber unvollständig denn durch Perfekt und Präteritum ändert sich zumal auch der Sinn.

1) "Letztes Jahr brach ich mir das Bein."
Präteritum = abgeschlossene Vergangenheit
Somit ist das Bein JETZT nicht mehr gebrochen.

2) "Letztes Jahr habe ich mir ds Bein gebrochen."
Perfekt = Vergangenheit mit Gegenwartsbezug
Somit ist das Bein JETZT immernoch gebrochen.

"Ich liege immernoch im Bett weil ich mir das Bein gebrochen habe." und...
"Ich liege immernoch im Bett weil ich mir das Bein brach." habe also unterschiedliche Bedeutungen.

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Re: Unterschiede in zeitlichen Aspekten zwischen Perfekt und Präteritum
geschrieben von: Franziska ()
Datum: 24. Februar 2011 15:47

Damit bin ich nicht einverstanden! Auch wenn ich mir letztes Jahr das Bein gebrochen habe (Perfekt),
muss es jetzt nicht mehr gebrochen sein. Es gibt durchaus einen Bezug zur Gegenwart, aber der kann alles Mögliche sein:
Letztes Jahr habe ich mir das Bein gebrochen, und noch jetzt habe ich Kontakt zu den netten Ärzten und Schwestern. Mein Bein ist aber längst wieder in Ordnung.

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Re: Unterschiede in zeitlichen Aspekten zwischen Perfekt und Präteritum
geschrieben von: Anna2 ()
Datum: 26. Februar 2011 17:40

Ich sehe das wie Franziska. Auch bei dem Satz im Perfekt, kann das Bein längst wieder geheilt sein.

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Re: Unterschiede in zeitlichen Aspekten zwischen Perfekt und Präteritum
geschrieben von: cxyrz ()
Datum: 27. Februar 2011 18:51

Nicht zu vergessen ist außerdem, dass Zeitfunktionen immer auch einen modalen Aspekt beinhalten. So finden in der Regel Aussagen im Präteritum in einer anderen kommunikativen Form statt als Aussagen im Perfekt.
Interessant wäre die Frage, ob grammatische "Zeit" nicht eigentlich dem Zweck dient, Ereignisse in der Zeit zu lokalisieren, sondern eher dem, den an Kommunikation Beteiligten Haltungen zuzuweisen.

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Re: Unterschiede in zeitlichen Aspekten zwischen Perfekt und Präteritum
geschrieben von: NoUnterschied ()
Datum: 22. Juni 2016 04:53

Also Willi ich sehe das auch wie Anna und Franziska. Aus diesem Grund weil, weil ich zb sage "Ich habe vor fünf Jahren Fleisch gegessen", ist doch schwer möglich das ich immer noch ununterbrochen Fleisch esse, oder noch besser um deine Behauptung zu kippen, wenn man sagt "Ich habe vor fünf Jahren ein hühnachenachenkel gegessen" heißt das nun das man immer noch das gleiche Hähnchenschenkel ist:D oder meint man nach deiner Meinung das man "immer noch" Hähnchenschenkel isst, unabhängig davon ob das gleiche oder ein anderes, aber wenn es so wäre dann wäre es ja auch bei deinem Bein-Beispiel das man heute nicht das gleiche Bein gebrochen gaben muss sondern überhaupt die Beine von sich selbst brechen, egal welches. Naja aus diesem Beispiel Nuss ich dann auch zum Entschluss kommen das es einfach keinen unterschied zwischen haben gegessen und aß gibt !!!!! ..... ne kein Ausrufezeichen sondern PUNKT es ist einfach so was anderes kann es nicht sein haha

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Re: Unterschiede in zeitlichen Aspekten zwischen Perfekt und Präteritum
geschrieben von: Milorad Gavrilovic ()
Datum: 22. Juni 2016 06:53

Das Präteritum kann durch das Perfekt ersetzt werden, ohne dass sich die Bedeutung dabei verändert. Das Präteritum hat die gleiche Bedeutung wie das Perfekt des Vergangenen:

Ich habe vor fünf Jahren Fleisch gegessen./Ich aß vor fünf Jahren Fleisch. (Ich bin seit vier Jahren Vegetarier.)

Es gibt aber Fälle, wo das Präteritum NICHT gegen das Perfekt austauschbar ist. Das Präteritum kann NICHT das Perfekt des Vergangenen mit Auswirkung auf die Gegenwart ersetzen.

1. Ich bin satt. Ich habe vor ein paar Minuten gegessen. (richtig)
2. Ich bin satt. Ich aß vor ein paar Minuten. (falsch)

Im Beispiel 1 haben wir einen Bezug zur Gegenwart, im Beispiel 2 dagegen nicht.

1. Alles ist weiß. Es hat stark geschneit. (richtig)
2. Alles ist weiß. Es schneite stark. (falsch)



7-mal bearbeitet. Zuletzt am 22.06.16 08:01.

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Re: Unterschiede in zeitlichen Aspekten zwischen Perfekt und Präteritum
geschrieben von: DaF2000 ()
Datum: 22. Juni 2016 08:04

Alles richtig und daran erkennt man auch schönes Deutsch. Wenn ich Literatur lektoriere, lege ich darauf auch großen Wert. Leider gibt es gar nicht so wenige Schriftsteller, die das nicht mehr beherrschen.

Aber wie sieht es beim Unterrichten aus? Meiner Meinung nach sind die feinen Unterschiede zwischen Perfekt und Präteritum erst etwas für den C1-+/C2-Unterricht.

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Re: Unterschiede in zeitlichen Aspekten zwischen Perfekt und Präteritum
geschrieben von: Milorad Gavrilovic ()
Datum: 23. Juni 2016 06:33

Zitat

Ist der gesamte Unterschied zwischen Perfekt und Präteritum wirklich nur der zwischen gesprochenem und geschriebenem Text? Nun gut, ich weiß, es gibt auch noch den Umstand, dass die Süddeutschen eher das Perfekt mögen und die Norddeutschen das Präteritum. (Tomas)

Der Gebrauch von Präteritum und Perfekt hängt, wie bekannt, von der Region im deutschsprachigen Raum ab. Je weiter im Norden, desto mehr Präteritum wird benutzt. Aber auch das nimmt mit der Zeit ab! Das Perfekt setzt sich auch im Norden immer weiter durch. Die Deutschen verwenden meiner Meinung nach Perfekt und Präteritum intuitiv. Das Sprachgefühl ist eine universale Grammatikregel.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 23.06.16 06:34.

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Re: das Geschehen
geschrieben von: Milorad Gavrilovic ()
Datum: 25. Juni 2016 19:42

Zitat

canoo:

Perfekt des Zukünftigen

Das Perfekt kann einen Geschehen ausdrücken, das in der Zukunft abgeschlossen oder vollzogen sein wird:

Wir haben es bald geschafft.

das Geschehen

Richtig: Das Perfekt kann ein Geschehen ausdrücken, das in der Zukunft abgeschlossen oder vollzogen sein wird.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 25.06.16 19:50.

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