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Zukunft als DaF-Lehrer? Bin ich naiv?
geschrieben von: Valeri ()
Datum: 20. Februar 2016 20:45

Hallo Leute.

Kurz zu meiner Person: Ich habe relativ lange studiert und vor nicht allzu langer Zeit mein DaF-Studium abgeschlossen. Allerdings habe ich nur den Bachelor gemacht, einen 2-Fach-Bachelor. Ich habe erst über Umwege zu DaF gefunden (habe vorher einige Studiengänge ausprobiert).
Während meines Studiums habe ich viel unterrichtet und habe sogar für ein Jahr mein Studium unterbrochen und in Asien an einer Sprachschule gearbeitet.
Nun bin ich seit einem Jahr im Beruf, wieder im asiatischen Raum. Asien, wegen meines zweiten Faches und entsprecheneder Sprachkenntnisse.
Ich bin bezüglich des Arbeitsortes flexibel, sehe aber meine Zukunft in Deutschland.

Ich bin also Berufsanfänger, liebe aber meinen Job. Ich bin motiviert und engagiert.
Nun spiele ich mit dem Gedanken im Wintersemester doch noch ein Masterstudium hinterherzuschieben. Vorallem, weil es mich rein fachlich interessiert.

Ich habe aber so viel negatives hier in diesem Forum über das Berufsbild DaF-Dozent gelesen, dass ich mich frage, ob es so sinnvoll ist, mich weiterzuqualifizieren.
Wenn die Arbeitsbedingungen wirklich so mies sind, sollte ich vielleicht umdenken und einen anderen Weg einschlagen?

Ich bin ratlos, weil ich den Job wirklich gern mache. Ich möchte aber nicht den Rest meines Lebens im unteren Gehaltssektor dümpeln, als Akademiker!

Mich würde die Meinung von alten Hasen interessieren. Ist es ein wirklich so hartes Brot (zurzeit mache ich eine eher positive Erfahrung, auch wenn ich wahnsinnig viel arbeiten muss: 32/UE pro Woche)?
Sind die Möglichkeiten wirklich so begrenzt?

Ich denke da an weitere Tätigkeitsfelder wie Lehrmaterialentwicklung, Curriculum-Planung und -Entwicklung. Ein Aufstieg zum Institusleiter. Eben an Karriere in diesem Bereich machen. Ein anständiges Gehalt und soziale Absicherung.
Oder sind meine Vorstellungen naiv und realitätsfremd?
Ist wirklich alles so schrecklich, oder ist ein positiver Trend in der Branche auszumachen?

Ich dachte, dass gerade wegen der Flüchtlingswelle gute DaFler gefragt sind und es Festanstellungen und Topgehälter regnet.

Ich hänge gar nicht so sehr an der Idee einer Festanstellung. Ich genieße eigentlich die Unabhängigkeit und die Freiheit, die dieser Beruf mir ermöglicht. Aber ich weiß nicht, wie ich das in einigen Jahren empfinde, vielleicht eine Familie habe.

Was denkt ihr? Soll ich weiter diesen Weg gehen, oder mich umorientieren?
Nur von der Liebe zum Job kann man leider nicht leben.

Grüße

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Re: Zukunft als DaF-Lehrer? Bin ich naiv?
geschrieben von: doce ()
Datum: 21. Februar 2016 09:17

Lieber Valeri,

z.Zt. ist der Arbeitsmarkt wegen der Flüchtlingswelle zwar nicht schlecht, aber es regnet noch lang keine Topgehälter oder -honorare. Vielmehr werden auch weniger qualifizierte Lehrkräfte genommen, um die Nachfrage zu befriedigen und um nicht höhere Honorare zahlen zu müssen. Einige Lehrkräfte unterrichten jetzt an staatlichen Schulen, doch hier sind die Bedingungen regional unterschiedlich. In Berlin bspw. erhalten die Lehrkräfte meist Zeitveträge mit der Vergütungsgruppe E10, max.E11 und beginnen oft mit Stufe 1.

Wenn du die Möglichkeit hast, dich umzuorientieren, dann würde ich dir raten, dies zu tun, denn auch die Flüchtlingswelle wird irgendwann einmal abebben.

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Re: Zukunft als DaF-Lehrer? Bin ich naiv?
geschrieben von: DaF2000 ()
Datum: 21. Februar 2016 14:30

So wie du schreibst, scheinst du den Kopf an der richtigen Stelle zu haben.

Die grundlegende Frage, die du dir stellen solltest:

Denke und handle ich wie ein Angestellter oder wie ein Unternehmer?

Wenn du eine Angestellten-Einstellung hast, such dir etwas anderes als DaF.

Wenn du eine Unternehmer-Einstellung hast, kannst du es schaffen. Einfach wird es aber nicht.

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Re: Zukunft als DaF-Lehrer? Bin ich naiv?
geschrieben von: Anna3 ()
Datum: 21. Februar 2016 14:39

Mit deiner beschriebenen Berufserfahrung bist du eigentlich nicht mehr wirklich Anfänger, wenn man sieht, wer hier so alles unterrichtet. Verkauf dich also nicht unter Wert.

Zum Master: Lohnt sich definitiv nicht, um DaF zu unterrichten. Höchstens für eine Uni-Karriere. Da muss man überlegen, wie hoch die Chance ist, an der Uni zu bleiben bzw. dauerhaft eine Stelle dort zu haben. Meist ist ja Bedingung, dass der Stelleninhaber promoviert und danach auf einer neuen Stelle habilitiert. Unbefristete Stellen ohne Bindung an einen akademischen "Aufstieg" gibt es selten.
Freiberufliche Dozenten an Unis sind trotz Honoraren von über 30 Euro/45 Min. genauso Tagelöhner wie in Integrationskursen und die unbezahlten vorlesungsfreien Zeiten sind lang.

Zum Thema Verlage: Natürlich kann man Lehrmaterial entwickeln. Dann überleg bzw. rechne mal durch, wie viele Verlage es für DaF-Material gibt und wie häufig da eine Lektoratsstelle (bzw. Volontariat) zu besetzen sein könnte. Da verdient man sicher sehr gut und da ist man mit einem DaF-Abschluss (auch Master!) nicht überqualifiziert wie an Sprachschulen. Dafür hat man im Verlag aber keinen Kontakt mehr mit den Lernenden.

Institutsleiter sind meistens eher Leute mit kaufmännischem Hintergrund und/oder Verwaltung o.ä. - nicht umsonst ... Natürlich gibt es Ausnahmen (d.h. Institutsleiter, die überhaupt keine Ahnung und Qualifikation haben und auch welche, die selbst aus dem DaF-Bereich kommen).

Ich sehe gerade jetzt keinen positiven Trend, sondern das Gegenteil. Überall müssen massenweise Sprachkurse her für die vielen Teilnehmer. Woher soll gerade jetzt bei diesen Massen das Geld für hohe Honorare kommen? Im Gegenteil, es ist wie immer nicht genug Geld da (jetzt mit neuen Argumenten) und es werden massenweise Ehrenamtliche als "Dozenten" eingesetzt.

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Re: Zukunft als DaF-Lehrer? Bin ich naiv?
geschrieben von: Valeri ()
Datum: 22. Februar 2016 06:03

Danke für eure Antworten!

Die haben mir bei meinem Entscheidungsfindungsprozess geholfen.

Ich habe mich natürlich im Vorfeld, bzw. während des Studiums über meine berufliche Perspektive informiert. Ich bin aber auch Optimist und wollte meine Berufswahl nicht von ökonomischen Faktoren abhängig machen.

Leider bleibt mir aber wohl nichts anderes übrig, als mich dem finanziellen Druck zu beugen. Ich habe natürlich auch Rechnungen angestellt und mir war bewusst, dass ich von den Gehältern in den Jobanzeigen nicht vernünftig leben könnte. Ich hatte aber auch ein Fünkchen Hoffnung, es trotzdem zu schaffen, die Ausnahme zu sein.
Ich habe auch über eine universitäre Karriere nachgedacht, aber da reichen meine kognitiven Kapazitäten wohl nicht aus (um es geschwollen zu formulieren).

Ich dachte an betriebliche Weiterbildungen in internationalen Unternehmen. Da werden durchaus vernünftige Honorare bezahlt. Aber die Plätze sind rar und heiß begehrt. Hat nicht zum Beispiel die BASF ein eigenes Lernzentrum? Ist es unmöglich solche Jobs / Festanstellungen zu ergattern und neben Sprachkursen weitere Aufgaben, wie Öffentlichkeitsarbeit oder Mediation zu übernehmen? Oder aber auch an der Didaktisierung und Systematisierung von innerbetrieblichen Weiterbildungen mitzuwirken? Oder ist man als DaFler dafür unterqualifiziert?

Ich sehe auch, dass man vorallem im Ausland als muttersprachlicher und studierter DaFler recht gut bezahlt wird, wenn man betrachtet, wie niedrig die Lebenshaltungskosten in bestimmten Ländern sind. So geht es mir zur Zeit; ich kann ordentlich was zur Seite legen. Dabei müsste ich mit meinem jetzigen Gehalt in Deutschland aufstocken.

Ich bin jedenfalls ziemlich wütend darüber, dass unser Beruf so wenig geschätzt und ernst genommen wird. Noch wütender macht mich, dass ich deshalb den Daf-Master - der mich wirklich interessiert - deswegen nicht machen werde.
Ich werde mein Portfolio wohl breiter aufstellen, durch einen Master in "Interkulturelle Personalentwicklung und Kommunikationsmanagement".

Die Hoffnung auf einen Tätigkeit in meinem Traumberuf gebe ich aber nicht auf. Da habe ich zu viel Zeit und Herzblut investiert. Es tut mir wirklich weh, das nicht weiter verfolgen zu können.

Es gibt aber keine Alternative zum Optimismus!

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Re: Zukunft als DaF-Lehrer? Bin ich naiv?
geschrieben von: DaF2000 ()
Datum: 22. Februar 2016 17:05

Mit der universitären Karriere ist das auch nicht so leicht. Viele reiben sich auf dem Weg zr Professur auf.

So wie du schreiben kannst, bist du auf keinen Fall unterqualifiziert für irgendwelche Aufgaben, die mit Sprache oder Kommunikation zu tun haben.

Wenn du eine Festanstellung anstrebst, könnte der Weg erfolgversprechend sein. Sich breiter aufzustellen, hilft extrem. So war es bei mir.

Sicher gibt es unter den Flüchtlingen und Migranten auch einige, die es in Firmen wie BASF schaffen werden. Fähige Ingenieure, deren Deutsch ausbaufähig ist. Fähige Informatiker, die aber nur Englisch sprechen. Ich sehe da einige Möglichkeiten für Festanstellungen.

Viel Erfolg und lass dir nicht erzählen, dass DaF irgendetwas wäre, für das man sich schämen müsste. Bei unserem Job lernt man viele Sachen, die auch in ganz anderen Bereichen wertvoll sein können.

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Re: Zukunft als DaF-Lehrer? Bin ich naiv?
geschrieben von: names ()
Datum: 04. März 2016 15:16

Ich liebe den Job auch, aber seit ich in dem Job arbeite, suche ich verzweifelt nach Alternativen, da ich finanziell so auf Ewig abhängig von meinem Lebensgefährten wäre. Oder angenommen ich hätte mal keinen Partner mehr, dann wäre ich finanziell am Ende. Eine Zeit lang geht das vielleicht, auf Alles verzichten, nur dafür zu arbeiten, dass man die Rechnungen zahlen kann. Aber wie lange? Ich sehe mich in der Zukunft nicht mehr Vollzeit in dem Beruf, aber vielleicht als Nebenjob. Also auch mein Rat, wenn du die Chance hast, mach auf jeden Fall was Anderes.

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