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Rundschreiben IBP vom 21.07.2013
geschrieben von: Georg321 ()
Datum: 21. Juli 2013 22:12

Datum: 21.07.2013

Hallo an alle Lehrkräfte,

anbei leiten wir euch im Anhang den Jahresrückblick 2013/1 des DaZ-Netzwerks weiter. Wir nutzen die Gelegenheit um unsere Sicht der Dinge einzubringen.

Zum Runden Tisch der GEW in Berlin ist unsere Initiative Bildung Prekär nicht eingeladen worden, weil die GEW traditionell im DaZ-Netzwerk ihren moderaten Gesprächspartner gefunden hat. Zwischen der GEW und uns hat es in der letzten Zeit Auseinandersetzungen gegeben, weil wir den Eindruck gewannen, dass die Gewerkschaft mit ihrer Forderung nach einem Mindestlohn von 30 € zu niedrig liegt.

An dieser Stelle stimmen wir dem DaZ-Netzwerk zu, wenn sie schreiben: "Wir haben jedoch darauf hingewiesen, dass 20€ - und sogar die Berliner 30€ - nicht ausreichen." Die 30 € entsprechen ca. 750 € netto, nach einer Berechnung der Lehrkräfte, die sich in der GEW Bielefeld organisiert haben. Wir haben Stephanie Odenwald, die bisherige Vorsitzende des Bereichs Weiterbildung, immer wieder gefragt, warum die GEW diese Forderung überhaupt aufrecht erhält und nicht gleich die völlige Gleichstellung mit Lehrkräften an öffentlichen Schulen fordert. Die Antwort war "das ist unrealistisch" oder "wenn wir das fordern, lachen uns die Politiker in Berlin aus". Außerdem hieß es, dass die GEW sich doch auch die Gleichstellung mit LehrerInnen an öffentlichen Schulen wünscht, wie es ja auch schon im Schwarzbuch 2 der GEW formuliert wurde.

Kommentar dazu: Im Schwarzbuch 2 ist das tatsächlich nachrangig nachzulesen, aber in der Öffentlichkeit werden nur die 30 € wahrgenommen. So schreibt Gudrun Hentges in ihrem Beitrag vom Juni 2013, den wir bei MIGAZIN rezensiert haben: "Die GEW und die "Aktion Butterbrot" thematisierten in den letzten Jahren die Arbeitssituation der freiberuflich tätigen DozentInnen und forderten ein Stundenhonorar von 30 Euro für diese anspruchsvolle, fordernde und gesellschaftspolitische Tätigkeit. Bislang blieb jedoch den Kursträgern die Entscheidung über das Stundenhonorar überlassen." (Hentges, S. 362) Von einer Forderung nach Gleichstellung mit LehrerInnen an öffentlichen Schulen hat auch die Professorin nichts mitbekommen.

Und in einem Flyer der GEW heißt es dann noch: "Die Höhe des Mindesthonorars sollte mindestens den früher gezahlten 23,10 Euro entsprechen. Grundsätzlich sollen Lehrkräfte in Integrationskursen langfristig gleich bezahlt werden wie Lehrende in anderen Bereichen des Bildungswesens." So steht es auf der Webseite der GEW unter der Überschrift "GEW-Forderungen zu den Integrationskursen". (Stand: 18.07.2013).

Auch die Darstellungen der GEW über ihren Runden Tisch in Berlin sind sehr spärlich und auch irreführend. Hier findet sich ein kurzer Artikel über das Treffen: „Zuständigkeiten werden hin- und hergeschoben“ Schon die Überschrift ist irreführend, denn zuständig für die Bezahlung der Lehrkräfte sind eindeutig die Träger. Mit ihnen macht man schließlich einen Arbeitsvertrag.

Die Rolle der SPD wird in den Artikel ebenfalls irreführend dargestellt: "Daniela Kolbe (SPD) erhoffte sich vom Runden Tisch „pfiffige Ideen“, wie sich die Situation der Dozentinnen und Dozenten dennoch verbessern lässt. Denn: „Umstürzen werden wir das System nicht.“ Das ist keine negative Vorausahnung, sondern einen Absichtserklärung, denn die SPD fordert nur 26 €, und außerdem fordert Frau Kolbe (SPD), dass Träger und Lehrkraft direkt zu Beginn des Vertrages eine Statusüberprüfung machen, in der beantragt wird, dass eine echte selbstständige Tätigkeit vorliegt. Damit sind die Träger juristisch aus dem Schneider. So perfektioniert die SPD das System. Kritik von der GEW an der SPD ist aber bisher noch nicht bekannt geworden. Die GEW klagte zwar auf abhängige Beschäftigungsverhältnisse, kommentiert aber den Vorschlag der Statusfeststellung gleich zu Beginn der Arbeit nicht.

Das DaZ-Netzwerk schreibt: "Der DVV lehnt grundsätzlich und vehement die Möglichkeit von Festanstellungen ab."

Richtig. Der DVV (Deutscher Volkshochschul-Verband) will keine Festangestellten. Unsere Initiative hat vor drei Monaten eine gemeinsame Veranstaltung mit drei GEW-Stadtverbänden gemacht, zu der wir auch Herrn Hammelrath, den Direktor des Landesverbandes der Volkshochschulen von NRW eingeladen haben. Herr Hammelrath hat abgelehnt, weil wir behauptet hätten, dass die Arbeitsverhältnisse an den Volkshochschulen und bei den Integrationskursen scheinselbstständig und damit illegal seien, strafbar nach § 266a StGB. Erst vor einigen Tagen haben wir die Mail einer Lehrkraft bekommen, der von der RV Bund eine Scheinselbstständigkeit bestätigt worden ist. Die VHS hat Einspruch eingelegt, nun wird der Fall vor Gericht verhandelt.

Wir gehen davon aus, dass nahezu alle Lehrkräfte in die Organisation der Träger eingebunden sind und dass sie nach Anweisungen handeln. In unserem monatlichen Beitrag bei MIGAZIN mit dem Titel "Integrationskurse - ein Beitrag zur Integration?" zitieren wir den wissenschaftlichen Beitrag Gudrun Hentges, in dem festgestellt wird, dass das BAMF beim Orientierungskurs "sehr detailliert Themen, Feinlernziele und Lerninhalte" (...) "präzisiert", und die genaue Anzahl von Unterrichtseinheiten festlegt. Wie kann man leugnen, dass hier Lehrkräfte nach Anweisungen handeln?

Allerdings ist die Festanstellung politisch nicht gewollt, weil sie für den Staat teurer würde, und der DVV unterstützt diese ausbeuterischen Zustände, indem er jedes Mal gegen den Bescheid der RV Bund klagt. Mit der freiberuflichen Tätigkeit lassen sich Lehrkräfte auch leichter disziplinieren: wer seine Rechte einfordert, der fliegt. Wir haben von einem Fall berichtet, wo eine Dozentin einen Antrag auf Urlaubsgeld gestellt hat und sofort gefeuert wurde - angeblich aus anderen Gründen, wie die VHS uns mitteilte. Die meisten Lehrkräfte dürften zumindest als "arbeitnehmerähnlich" gelten und deshalb einen Anspruch auf Urlaubsgeld haben. Aber wer traut sich schon, diesen rechtlich verbrieften Anspruch einzufordern, wenn er am nächsten Tag gefeuert werden kann?

Herr Hammelrath von der DVV hat unsere Einladung also dankend abgelehnt und sich bei der GEW - bei Stephanie Odenwald - über uns beschwert, weil wir die Leiterinnen und Leiter der Volkshochschulen angeblich "kriminalisieren" würden! Frau Odenwald hat an Frau Dorothea Schäfer, die Vorsitzende der GEW-NRW geschrieben, dass sie mit Besorgnis lese, was "der Kollege Rainer Hammelrath" über uns sage. "Ihr, Paul und Ulrich als ehemalige VHS-Leiter, kennt ja Hammelrath aus dem DVV und wahrscheinlich auch aus GEW-Zusammenhängen Eures Landesverbands." Frau Odenwald beklagt, dass unsere Initiative die GEW "an den Pranger" stelle und "in Misskredit bringt". Weiterhin ist noch von "diskriminierenden Aussagen gegenüber Volkshochschulleitern" die Rede.

Da in der GEW anscheinend eine Reihe Volkshochschul-Bediensteter organisiert sind dürfte uns diese Reaktion nicht wundern. Frau Schäfer und Frau Timmermann haben dann eine Mail an die GEW-NRW, Abteilung Weiterbildung, geschrieben, in der sie uns eben das vorwarfen, was Herr Hammelrath schon vorgegeben hatte. Wir würden diffamieren, diskriminieren und kriminalisieren.

Zu der gemeinsamen Veranstaltung mit der GEW ist einer von uns dreien dann gar nicht mehr gegangen. Einer von uns dreien ist noch in der GEW Stadtgruppe Bonn aktiv und kann dort auch mit der Basis der GEW gute Arbeit machen. Auch die Stadtgruppe der GEW Düsseldorf setzt sich engagiert für Lehrkräfte in Integrationskursen ein. Unsere Initiative hat in beiden Städten Gruppen für die prekär Beschäftigten im Bildungsbereich aufgebaut. Bis heute ist die Frage, warum die GEW nur 30 € fordert, unbeantwortet geblieben. Der letzte Hinweis lautete "mehr geht nicht", oder "mehr ist unrealistisch". Vielleicht liegt es einfach daran, dass der DVV Festanstellungen ablehnt, und vielleicht hat der DVV in der GEW mehr Einfluss als die paar Lehrkräfte, die dort Mitglied sind bzw. waren, weil sie mittlerweile wieder ausgetreten sind.

Nun zu unseren sogenannten Volksvertretern im Bundestag:

CDU/CSU und FDP, also über die Hälfte des deutschen Bundestages, lehnen eine Verbesserung der Situation der Lehrkräfte ab. Dazu könnte man einiges anmerken: das Bündnis Umfairteilen schreibt: "Die Armut in Deutschland hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. 15,1 Prozent der Bevölkerung und damit mehr als jede/r Siebte sind armutsgefährdet. Anders als noch vor 15 Jahren ist Armut trotz Arbeit kein seltener Ausnahmefall mehr: fast 1,4 Millionen Menschen sind auf ergänzendes Arbeitslosengeld II angewiesen, obwohl sie erwerbstätig sind. Jede/r Vierte von ihnen arbeitet Vollzeit – und muss dennoch „aufstocken“, weil der Lohn noch unter dem Existenzminimum liegt. Insgesamt arbeitet fast jede/r vierte Beschäftige für einen Niedriglohn von weniger als 9,15 €/Brutto."

Als eine Ursache für die Armut nennt das Bündnis die Hartz-Reformen: "Nahezu jeder Job gilt als zumutbar – auch zu Hungerlöhnen und entwürdigenden Bedingungen. Mini-Jobs, Befristungen, Leiharbeit und der Missbrauch von Werkverträgen, unbezahlte Praktika und Scheinselbstständigkeit konnten immer weiter um sich greifen."

Die Scheinselbstständigkeit der Lehrkräfte ist also nur eine Variante, wie die Kosten für die Arbeitgeber (im Falle der Integrationskurse ist der Arbeitgeber streng genommen das Bundesinnenministerium, während die Träger als Subunternehmer fungieren) gesenkt werden können. Hinter den Hartz-Gesetzen und der Agenda 2010 stand der politische Wille, dass der Staat sich zurückzieht und die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse und auch die Erlangung einer Rente den Privatanbietern überlässt. Das Ergebnis haben wir jetzt mit den Dumpinghonoraren und der nicht vorhandenen Rente. Eingeführt wurde das Ganze von Rot-Grün, und gutgeheißen von Schwarz-Gelb. Vier von fünf Parteien des Bundestages finden Hartz IV und die Deregulierung des Arbeitsmarktes grundsätzlich in Ordnung. Peer Steinbrück hat die Agenda 2010 selbstverständlich voll unterstützt, und der soll nun die sogenannte "Opposition" gegen die soziale Ungerechtigkeit anführen. Eine Agenda 2020 ist folglich auch schon angekündigt und kann nichts Gutes verheißen.

Das DaZ-Netzwerk schreibt: "Eine Zusammenarbeit der Oppositionsparteien wäre dabei wünschenswert." Das ist richtig, aber man sollte sich bitte nicht auf 26 € (SPD), 30 € (Grüne und GEW) einigen. Die Linken haben bisher auch nur 30 € gefordert, aber anders als Rot-Grün haben sie das Problem nicht verursacht, sondern sind als Opposition zur Agenda 2010 erst entstanden. Deshalb haben die Linken bei ihrem Fachgespräch (zu dem auch unsere Initiative eingeladen war), ausdrücklich "Für eine grundlegende Neugestaltung des Integrationskurssystems" geworben. Es geht eben nicht nur darum, ob das BAMF dem Träger 2,54 € oder 2,95 € überweist, sondern es geht darum, was bei der Lehrkraft netto auf dem Konto steht. Angemessen sind für 15 UE pro Woche durchaus 1500 € netto.

Weiterhin geht es bei der grundlegenden Neugestaltung auch um die Frage, welchen Sinn die Integrationskurse machen. Einerseits werden wegen des demografischen Wandels Schulen geschlossen und Lehrer nicht eingestellt, andererseits finden Deutschkurse bei windigen Privatanbietern unter miesesten Bedingungen statt. Wieso werden diese Kurse nicht innerhalb der Schulen angeboten? Die Lehrkräfte könnten ihr Gehalt am Monatsende vom Landesamt für Besoldung und Versorgung bekommen, basierend auf den bestehenden Tarifverträgen. Die Lehrkräfte könnten dann auch Kinder mit Migrationshintergrund unterrichten, oder auch ganz normalen Deutschunterricht erteilen. Aber DaZ-Lehrkräfte in Integrationskursen gehören eben zum zweiten Arbeitsmarkt, und den möchte man nur ungern mit dem ersten Arbeitsmarkt, wo noch richtig gezahlt wird, vermischen.

Weiter heißt es beim Netzwerk: "Die LINKEN betonen vor allem ihre Forderung nach Freiwilligkeit der Teilnahme an IKursen ohne jede Zwangsmaßnahmen. Es wurde von unserer Seite darauf hingewiesen, dass die Verpflichtung zum Deutschkurs insbesondere Frauen helfen könnte, die ansonsten mit einer restriktiven Haltung von Familienangehörigen gegenüber den Kursen zu kämpfen haben könnten." Es würden natürlich Aufträge für die Lehrkräfte und die Träger wegbrechen, wenn man die Kurse freiwillig machen würde. Andererseits zeigt die Erfahrung (siehe unseren aktuellen Beitrag bei MIGAZIN), dass die Kurse gerne freiwillig angenommen werden.

"Die LINKE plant den Entwurf einer völlig neuen Integrationskursverordnung bzw. eine Novellierung des Zuwanderungsgesetzes und unterstützt die Ansiedlung der Kurse beim Bildungs- oder Arbeitsministerium." Diese Frage ist grundlegend: warum ist das Bundesinnenministerium für die Integrationskurse zuständig? Sind Ausländer per se ein Fall für die Polizei? Der Bundesinnenminister lässt keine Möglichkeit aus, Ausländer als "Integrationsverweigerer" zu bezeichnen, weshalb sollte die Oberaufsicht über die Integrationskurse ausgerechnet bei diesem Ministerium liegen?

Last but not least sollte man sich überlegen, ob das Bestehen des B1-Tests unbedingt mit der Verlängerung der Aufenthaltsdauer verknüpft sein muss. Wer diesen Test nicht besteht bekommt nur eine Aufenthaltsgenehmigung für maximal ein Jahr. Wozu das? Soll damit gesagt werden, dass die Menschen zu faul sind zum Lernen? Sollen damit wieder die sogenannten "Integrationsverweigerer" bestraft werden? Linke und Grüne sind gegen diese Verknüpfung, der Rest der Bundestagsparteien dafür.

Abschließend ein Hinweis auf einen Artikel in einem Debattenmagazin des DGB mit dem Titel „Die Erosion des Normalarbeitsverhältnisses oder: Wie prekär ist der Arbeitsmarkt?“ Am Ende des Artikels heißt es lapidar: „Letztlich könnte sich indes erweisen, dass das regulierte „Normalarbeitsverhältnis“ eine Erscheinungsform des „goldenen Zeitalters“ des Kapitalismus (Eric Hobsbawm) war und es unter den gegenwärtigen Bedingungen eine Rückkehr zu dieser geregelten Form der Lohnarbeit als prägende Erscheinungsform nicht geben wird, sondern die Gewerkschaften eine Antwort auf die Herausforderung eines gespaltenen Arbeitsmarktes werden finden müssen.“

Viele Grüße von

Georg, Marion und Stephan

(Die Links können bei Interesse gerne nachgetragen werden.)

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Re: Rundschreiben IBP vom 21.07.2013
geschrieben von: Credentia ()
Datum: 28. Juli 2013 10:17

Ich kann dem langen Text nur eine einzige Botschaft entnehmen:

Die Politik wird die Misere nicht richten, es gibt einfach kein Interesse daran, und die "paar" DaF-Lehrer mit ihrer prekären Beschäftigungssituation zählen überhaupt nicht!

Naja, das kennen wir ja schon!

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Re: Rundschreiben IBP vom 21.07.2013
geschrieben von: MR ()
Datum: 28. Juli 2013 13:16

Zunächst einmal vielen lieben Dank für die Informationen und euren Einsatz! Ganz toll!

Ich hatte mir gestern erst das Ergebnis der Bundestagssitzung vom 13. Juni 2013 angesehen. Thema: u.a. Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte in Integrationskursen.

Der Antrag der Grünen wurde abgelehnt mit den Stimmen der CDU/CSU und FDP. Dafür stimmte Die Linke. Enthaltungen: SPD

Der Antrag der SPD wurde abgelehnt mit den Stimmen der CDU/CSU und FDP. Enthaltungen: Grüne und Die Linke.

Solange die Oppositionsparteien nicht an einem Strang ziehen, wird sich nichts ändern. Oder reichen die Stimmen dann immer noch nicht?

Ich bin der Meinung beide Anträge hätten wesentlichen Verbesserungen gebracht.

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Eine Frage habe ich noch:

"Die 30 € entsprechen ca. 750 € netto"

1. Wie sehen die Parameter aus, die diesem Ergebnis zugrunde liegen?
Ist doch individuell verschieden, oder nicht?
Also bei 25 UE/Woche komme ich auf ein ganz anderes Ergebnis.

2. Warum spricht man immer von "netto". Ich bin Freiberufler und mache eine Einnahmenüberschussrechung (EÜR) am Ende des Jahres. Ich habe also Einnahmen, Ausgaben und Einkünfte (Gewinn). "netto" kommt doch aus der Arbeitnehmersprache.
Oder meint man damit Gewinn ./. SozVers.?

Kann mich jemand aufklären? Vielen Dank!

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Re: Rundschreiben IBP vom 21.07.2013
geschrieben von: Georg321 ()
Datum: 28. Juli 2013 13:23

Richtig, da wird sich überhaupt nichts ändern. 4 von 5 Bundestagsparteien haben keine Lust darauf, sich für eine vernünftige Bezahlung einzusetzen, bei den Linken muss man sehen, was wird.
Es gibt immer noch Leute, die glauben, dass die Politik es richten wird, aber das wird nicht so sein.
Fraglich ist höchstens, ob die Bundestagsabgeordneten, an die wir uns ja immer fleißig wenden, überhaupt noch viel zu sagen haben. Erstens sind sie Untertanen ihrer Parteien und wenn sie da was Falsches sagen werden sie nicht mehr aufgestellt. Zweitens sind die wichtigen Leute in den Parteien von der Wirtschaft abhängig. "Postdemokratie" nennt man es, wenn von der Demokratie nur noch Fassaden stehen, aber die eigentliche Politik ganz woanders gemacht wird.
Aber egal, man kann ja doch mal vor der Wahl feststellen, dass 4 von 5 Parteien für die Menschen im Niedriglohnsektor nichts taugen, das ist schonmal besser als wenn man immer noch glaubt, dass die Sozen oder die Grünen was machen. CDU und FDP sind eh indiskutabel.
Ein anderer interessanter Aspekt ist, ob die Gewerkschaften willens und in der Lage sind, was für die Menschen im Niedriglohnbereich zu tun. Die brauchen nämlich ziemlich viel Unterstützung, können aber kaum in die Gewerkschaftskasse einzahlen, sind also nicht gerade die beliebtesten Zielkunden.
Man sollte also nicht darauf warten, dass die Politik oder die Gewerkschaften etwas ändern, sondern sich einen neuen Job suchen.

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Re: Rundschreiben IBP vom 21.07.2013
geschrieben von: Georg321 ()
Datum: 28. Juli 2013 14:27

Hallo,
hier ist eine Berechnung des "Netto-Honorars". Netto heißt das, was nach allen Abzügen übrigbleibt. Kommt natürlich aus der Angestelltensprache, wird aber verwendet um zu zeigen, dass die Abgabenlast gerade für Dozenten sehr hoch ist. 30 € hören sich nach richtig viel an, aber wenn man dann fragt, wie viel man denn aufwenden muss, um eine vernünftige Arbeitslosenversicherung zu bezahlen (vergleichbar mit einem Angestellten), dann wissen auch Politiker keine Antwort mehr. Das ist einer der Gründe, warum man von den Honoraren wegkommen sollte, es ist einfach nicht transparent, was nachher übrig bleibt. Wer 15 Stunden unterrichtet sollte 1400 € auf dem Konto haben, das wäre m.E. ein fairer Satz. Aber wie hoch muss dann das Honorar sein, bei wieviel arbeitsfreien Wochen???
Die SPD fordert ein Honorar von 26 €, die GEW, die Grünen und die Linken 30 €. Legt man die Berechnung zu Grunde, wären das ca. 750 € im Monat für 25 Stunden!
(20 € Honorar entsprechen 5 € "netto", also entsprechen 30 € Honorar 7,50 € "netto", das sind bei 25 x 4 Stunden 100 Stunden im Monat, also 750 € "netto". Und den Rest holt man sich als Aufstocker vom Job-Center!
Die SPD fordert nur 26 €, das dürften dann ca. 600 € Monatsgewinn sein. Nein, das ist keine Verbesserung, sondern eine Frechheit. Die Sarrazin-Partei hat keine Lust, Geld für Ausländer auszugeben, weil sie fürchtet, dass zu viele Sozialdemokraten dann die CDU wählen würden. Da die Mitglieder von SPD und CDU im Durchschnitt 60 Jahre alt sind interessieren die sich eh kaum für Bildungsfragen. Außerdem hat Rot-Grün mit der Agenda 2010 die Armut in Deutschland wieder in großem Stile eingeführt, wobei die Seniorenpartei unter "Armut" die Zeit nach dem 2. Weltkrieg meinen, als man kein Dach über dem Kopf hatte und Hunger litt. Deshalb haben die kein Verständnis dafür, dass ein Einkommen von 600 € plus Dach über dem Kopf plus Krankenversicherung überhaupt "Armut" ist. Seit 1999 schwärmt die SPD eh vom freien Unternehmertum, und hat deshalb für prekäre Arbeitnehmer (also scheinselbstständige Auftragnehmer) nichts übrig. Jeder ist schließlich seines Glückes Schmied und der Markt wird es schon regeln...
Ganz bestimmt gibt es in der SPD auch ein paar sozial denkende Menschen mit einem Gerechtigkeitsempfinden, aber die Partei als Ganzes steht nicht mehr für soziale Gerechtigkeit. Und die Grünen sind eine Partei der Besserverdienenden.
Dass die Grünen sich beim SPD-Antrag enthalten haben finde ich gut. Dass die SPD sich beim Antrag der Grünen enthielt ist beschämend. 30 € will die SPD eben nicht Bildung von Ausländern ausgeben.
Der Antrag der SPD sieht vor, dass Lehrkraft und Träger zu Beginn der Arbeit ein Statusfeststellungsverfahren bei der RV Bund machen. Darin soll (logischerweise) beantragt werden, eine selbstständige Tätigkeit festzustellen. Die Lehrkraft wird also von der SPD und dem Träger genötigt, sich juristisch selbst zu entwaffnen. Dieser Antrag der SPD entspricht nur den Interessen der Träger, nicht den Interessen der Lehrkräfte.
Außerdem will die SPD die Künstlersozialkasse ausbauen oder eine neue Art Rentenversicherung einrichten. Statt zum Normalarbeitsverhältnis zurückzukehren will die SPD die Scheinselbstständigkeit weiter befördern. Wenn man soziale Gerechtigkeit will, dann kann man die Lehrkräfte genau so anstellen wie befristete Lehrer an den Schulen. Aber das würde den Staat Geld kosten, deshalb der seltsame Vorschlag mit der neuen Renteneinrichtung, die die SPD schaffen will. Es sollten statt dessen viel MEHR Leute in die gesetzliche Rente einzahlen, auch die Beamten! Das wäre der richtige Weg.
Die Linken werden nach der Sommerpause hoffentlich ein grundlegend neues Konzept für die Integrationskurse vorlegen. Hoffentlich werden sie nur noch von seriösen Beschäftigungsverhältnissen sprechen, und nicht von Lehrkräften als "Unternehmer ihrer selbst" usw. Lehrkräfte sind keine IT-Spezialisten, die mal hier, mal da ein "Projekt" machen, deshalb haben sie einen Anspruch darauf, dass ihr Arbeitgeber (die Volkshochschulen und die anderen Träger) die Hälfte ihrer Sozialversicherungsabgaben zahlt. Deshalb hat ja nun auch eine Lehrkraft ihre VHS verklagt. Den Link muss ich noch hier reinstellen.
Die Stimmen aller Oppositionsparteien reichen nicht aus, um ein neues Gesetz zu beschließen, weil die Regierung immer die Mehrheit im Bundestag hat. Der Bundestag wählt ja die Kanzlerin, die dann ihre Regierung zusammenstellt. Wenn die FDP nicht in den Bundestag reinkommt, dann macht sich halt wieder die SPD zum Steigbügelhalter der CDU. Wetten um eine Kiste Maggi? :-)


Berechnung eines Netto-Stundenhonorars

Basis:
20 Honorar/brutto pro Unterrichtsstunde (45 min.)
(ca. 25 UST pro Woche)

20,00 Euro

- 3,78 Euro Rentenversicherung
- 3,10 Euro Krankenversicherung
- 0,44 Euro Pflegeversicherung
- 0,80 Euro freiwillige Arbeitslosenversicherung
——————————————————————-
11,88 Euro

- 1,66 Euro 14 % Steuern
————————————-
10,22 Euro

- 1,14 Euro nicht bezahlte Krankheitstage
- 2,41 Euro nicht bezahlte Urlaubstage (28)
——————————————————————-
6,67 Euro Honorar/netto pro Unterrichtsstunde

- 1,66 Euro 25 % Vorbereitungszeit
______________________________________________

5,01 Euro bleiben also netto pro Unterrichtsstunde (45 min)

Quelle: [gewweiterbildung.wordpress.com]

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