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Arbeitsmarkt und Honorare

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Re: Übergang freiberufliche Dozententätigkeit zu Festanstellung, bzw. KSK/bzw.Arbeitslosigkeit
geschrieben von: chama leonte ()
Datum: 10. September 2013 13:44

Zitat
georg321
Moral oder nicht Moral ist nicht das Thema, sondern die Frage ist, warum wir einen privaten Weiterbildungsmarkt haben, der nebenbei noch unser Sozialversicherungssystem zerstört. Und es ist auch nicht einzusehen, dass die SteuerzahlerInnen über das ALG II die Lohnkosten von WeiterbildnerInnen mitfinanzieren sollen. Deshalb bin ich der Meinung von Ursula von der Leyen und Heinrich Alt, dass das ALG II für sogenannte "Selbstständige" abgeschafft werden sollte. Eine Geschäftsidee wie die des selbstständigen Weiterbildners muss beendet werden, wenn sie nicht ohne Transferleistungen auskommt und wenn sie nicht in der Lage ist, ihrer Sozialversicherungspflicht nachzukommen.


Liebe Forumsmitglieder,

wieder eine krasse Aussage!

Eine solche Abschaffung würde alle die Kolleginnen ins berufliche Jenseits hauen, die aufgrund einer aufgeblasenen Sozialversicherungsmaschinerie ganztags an den bekannten Klitschen (VHS usw.) unterrichten müssen, NUR um ihre Beitragszahlungen an BFA, KV usw. bedienen zu können!!

Das kann ja wohl keine Alternative sein! Die Gründe für den bekannten 'Sozialbetrug' liegt - wie wir alle wissen - in diesem System selber. Da mit 'Moral' zu kommen, finde ich persönlich echt pedantisch.
Ist dieses Honorarsystem - so wie es ist - für uns 'moralisch'?

Gruß Chama

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Re: Übergang freiberufliche Dozententätigkeit zu Festanstellung, bzw. KSK/bzw.Arbeitslosigkeit
geschrieben von: Roswitha Haala ()
Datum: 10. September 2013 16:46

Ich finde Georgs gelöschten Beitrag ebenfalls aufgrund der jahrelangen Ignoranz der Bundespolitiker_innen berechtigt heftig. Und nicht nachvollziehbar, warum er zensiert wurde.

Zur "Moral": Auch hier verweise ich auf die Bundespolitik gerade bzgl. der Lehrkräfte in IntV-Integrationskursen, aber auch bzgl. der Weiterbildungsbranche. Noch einmal ein Auszug aus meinem Brief an Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen vom 21.06.2012:

"Hierzu merke ich an, dass Bundesregierung und BAMF (ab 1.7.12 Mindesthonorar 18 € vorher 15 €/UE per IntV) mit der genannten "Sozialsubvention" für die Integrationskurslehrkräfte immer noch viel billiger davonkommen, als wenn sie uns gemäß der BAMF-geforderten Qualifikationen einschließlich der BAMF-Unterrichtsanforderungen mindestens nach
TVL EG 9 (= z.B. Entgelt für muttersprachlichen Unterricht ohne RC 2010 an allgem. bild. Schulen in Niedersachsen) bezahlen würden.
Folglich eine "hochqualifizierte" (Ex-Innenminister Schäuble 2007) Altersarmut für diese "besondere Wichtigkeit der gesellschaftspolitischen Aufgabe der Integration" (Verordnung der Bundesregierung vom 1.3.2012)."

"Sozialsubvention": aktuell als IntV-Lehrkraft Hartz IV-Aufstockung, ab Rente: Grundsicherung

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Re: Übergang freiberufliche Dozententätigkeit zu Festanstellung, bzw. KSK/bzw.Arbeitslosigkeit
geschrieben von: aw ()
Datum: 10. September 2013 20:31

chama leonte schrieb:
-------------------------------------------------------
>
Zitat
georg321
>
>
... Und
> es ist auch nicht einzusehen, dass die
> SteuerzahlerInnen über das ALG II die Lohnkosten
> von WeiterbildnerInnen mitfinanzieren sollen.
> Deshalb bin ich der Meinung von Ursula von der
> Leyen und Heinrich Alt, dass das ALG II für
> sogenannte "Selbstständige" abgeschafft werden
> sollte. Eine Geschäftsidee wie die des
> selbstständigen Weiterbildners muss beendet
> werden, wenn sie nicht ohne Transferleistungen
> auskommt und wenn sie nicht in der Lage ist, ihrer
> Sozialversicherungspflicht nachzukommen.

@chama leonte:
Das ist KEINE krasse Ansage, sondern eine durchaus bodenständige und betriebs- UND volkswirtschaftlich rationale Perspektive.
Wer sich in normalen Branchen selbständig macht und dann nicht davon leben kann, kann sich seinen "Betrieb" (aus moralischen oder nicht moralischen Gründen) nicht einfach von Sozialleistungen (= von Arbeitnehmern) weiterfinanzieren lassen. Wenn ein großer Betrieb mit vielen Mitarbeitern zu Zeitarbeit und Billiglohn übergeht und sich so vom Sozialsystem mitfinanzieren lässt, um weiterzubestehen (nicht alle Firmen machen das aus Profitgier!), wird das ja auch sofort kritisiert.

Kann man nicht von seinem Betrieb leben, so muss man sein unternehmerisches Handeln eben überdenken und ändern - oder einfach einsehen, dass man wirtschaftlich keinen Erfolg hat, das "Unternehmen" aufgeben und sich was anderes suchen.

Ich weiß nicht, was daran krass sein soll. Wenn man Beschäftigte hat, ist es natürlich für die nicht so toll, wenn der schlecht laufende Betrieb einfach aufgelöst wird. DaF-Freiberufler haben aber normalerweise keine Angestellten und als 1-Mann-Betrieb ist es kein so großer Schritt, das eigene Scheitern einzusehen und sich neu zu orientieren.


> Eine solche Abschaffung würde alle die Kolleginnen
> ins berufliche Jenseits hauen, die aufgrund einer
> aufgeblasenen Sozialversicherungsmaschinerie
> ganztags an den bekannten Klitschen (VHS
> usw.) unterrichten müssen, NUR um ihre
> Beitragszahlungen an BFA, KV usw. bedienen zu
> können!!

Im beruflichen Jenseits ist man doch sowieso schon, wenn man in dieser Branche ist.

Das Honorarsystem ist nicht wirklich moralisch, aber es ist ganz bestimmt nicht "moralischer", Selbstjustiz zu beginnen (gegenüber den gesetzlichen Pflichtversicherungen) und vor allem das System durch die eigene Mitarbeit am Leben zu erhalten. Was habt ihr eigentlich zu verlieren? Eine Existenzgrundlage, die keine ist?

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Re: Übergang freiberufliche Dozententätigkeit zu Festanstellung, bzw. KSK/bzw.Arbeitslosigkeit
geschrieben von: chama leonte ()
Datum: 11. September 2013 21:23

Zitat
aw
Kann man nicht von seinem Betrieb leben, so muss man sein unternehmerisches Handeln eben überdenken und ändern - oder einfach einsehen, dass man wirtschaftlich keinen Erfolg hat, das "Unternehmen" aufgeben und sich was anderes suchen.

Volkswirtschaftlich vielleicht korrekt. Genauso konsequent wäre dann doch gleich die komplette Abschaffung dieser Branche. Am besten wäre vielleicht noch die komplette Auflösung von bestimmten Trägern, sodass bestenfalls der Unterricht nur noch über Einzelpersonen liefe.
Damit hätte man die Möglichkeit - wie jeder Selbstständige - in Konkurrenz mit anderen seinen Unterricht anzubieten. Eine Utopie! Leider!
Zitat
aw
Kann man nicht von seinem Betrieb leben, so muss man sein unternehmerisches Handeln eben überdenken und ändern - oder einfach einsehen, dass man wirtschaftlich keinen Erfolg hat, das "Unternehmen" aufgeben und sich was anderes suchen.

Das kann man allgemein so leicht daher sagen. Die konkrete Lebenssituation des Einzelnen sieht aber anders aus und das Geld, von dem du redest, wird dem Steuerzahler in zahlreichen anderen Bereichen eh bündelweise aus der Tasche gezogen. Da ist von sozialer Verantwortung für die Geldbörse der Bürger auch nicht die Rede. Ich persönlich finde diese moralistischen Überlegungen anhand dieser Gegebenheiten pedantisch.

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Re: Übergang freiberufliche Dozententätigkeit zu Festanstellung, bzw. KSK/bzw.Arbeitslosigkeit
geschrieben von: Georg321 ()
Datum: 12. September 2013 11:20

Hallo,

die Branche sollte so finanziert sein, dass man davon leben kann. Wer in Integrationskursen unterrichtet sollte so bezahlt werden wie Lehrer an einer öffentlichen Schule, weil er oder sie die gleiche Qualifikation hat, nämlich Hochschulabschluss.

Das Bundesministerium des Inneren hat aber keine Lust, für die Bildung von Ausländern zu zahlen. Es kommt auch nicht gut bei den WählerInnen von SPD und CDU/CSU an, dass man nun auch noch Geld für Ausländer ausgeben soll. Jahrzehntelang hat man gehört, dass Ausländer irgendwie kriminell sind, gerade der Bundesinnenminister hat es in den letzten Jahren immer wieder durchschimmern lassen. Volkswirtschaftlich gesehen ist die Bildungspolitik übrigens eine Katastrophe. Ein drittel der jungen Generation ist fast nicht in der Lage, eine Ausbildung zu beginnen, weil sie nicht richtig lesen und schreiben können. Hauptsächlich sind das Migratenkinder und Kinder aus finanziell schwachen Familien. Die werden an Haupt- und Förderschulen geparkt, wo sie fast keine Chance haben, jemals ihren eigenen Unterhalt zu verdienen.

Andererseits haben wir eine private (!) Bildungsindustrie, die Weiterbildung für eben diese Bildungsverlierer anbietet. Das bringt zwar den mittlerweile erwachsenen Bildungsverlierern gar nichts mehr, und es bringt auch der Gesellschaft nichts mehr, weil die jungen Menschen für das Arbeitsleben fast nicht mehr zu gebrauchen sind. Aber Hauptsache, der private Bildungsträger verdient damit sein Geld! Und die Lehrkräfte bei diesen privaten Bildungsträgern müssen zu Dumpingbedingungen arbeiten und zum Teil mit ALG II aufstocken.

Richtig, das private Bildungssystem würde vielleicht schrumpfen, wenn der Staat nicht mehr mit ALG II querfinanzieren würde. Aber wäre es so schlecht, wenn dieses völlig verdrehte System schrumpfen würde? Das Geld, was man im privaten Bildungssektor einspart, könnte man in den öffentlichen Sektor stecken. Man könnte z.B. Integrationskurse an Berufskollegs abhalten, wo man Spracherwerb und Berufsausbildung miteinander direkt verbindet. Die Lehrkräfte könnte bezahlt werden wie Lehrkräfte am Berufskolleg. Das ginge alles, wenn der Wille da wäre.

Man stelle sich vor, ein Schulleiter eines Gymnasiums bekommt für jede Stunde, die ein Schüler da ist, einen bestimmten Satz, und muss davon seine Lehrer bezahlen, und versucht außerdem noch wie jeder andere private Geschäftsmann, möglichst viel Geld mit seiner Schule zu verdienen. Und die Lehrer müssen mit ALG II aufstocken! Völlig absurd! Jeder würde sagen, dass es entweder komplett geändert werden muss oder es eben keine Schule mehr gibt.

Der Internationale Bund lässt jetzt für alle seine Honorarkräfte Statusfeststellungsverfahren machen und natürlich beantragt der IB die Selbstständigkeit. Wenn die RV Bund nun alle Rentenbeiträge von allen Lehrkräften nachfordert, dann sind alle Lehrkräfte sofort komplett Pleite. Es wäre wirklich besser, wenn so ein System komplett zusammenbricht, denn dann kann man wieder ein neues, besseres System aufbauen.

Viele Grüße
Georg

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