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Aus eigenen Erfahrungen lernen heißt "siegen" lernen!
geschrieben von: Credentia ()
Datum: 31. August 2013 16:08

Der frühere Betreuer meiner Habil.-Schrift hatte mal in einer Empfehlung für eine Stellenbewerbung u.a. Folgendes über mich geschrieben: “X mag für so manche deutsche Behörde ein Fremdkörper sein, aber gerade das qualifiziert X für interkulturelles Arbeiten“. Recht hatte der Mann!

Wenn man die meiste Zeit seines Lebens außerhalb Deutschlands lebt und arbeitet, so färbt das auch auf persönliche Sicht - und Verhaltensweisen und damit auf die Gesamtpersönlichkeit ab. Dass das auch Reibumgsflächen für die „ordentlichen“ Deutschen mit einem ganz anderen Erfahrungshintergrund, vor allem auch in irgendwelchen Behörden, bietet, ist auch normal und geradezu zwangsläufig. Wie man das dann im Einzelfall bewertet oder ob es man überhaupt bewerten will oder stattdessen unmkommentiert zur Kenntnis nimmt, ist dann eine zweite und ganz andere Frage. Toleranz und Gelassenheit in solchen Dingen ist nun, wie sicher jeder hier weiß, nun nicht gerade eine der hervorragendsten Tugenden deutscher Mentalität.

Nun komme ich mal zu meinem eigenen Erfahrungshintergrund in der Lehrtätigkeit in arabischen Ländern.

In den 1980er Jahren war ich an der Uni Fes in Marokko, kurz nachdem ich meinen Magister Artium von der FU Berlin in der Tasche hatte und schon an meiner Dissertaton schrieb. Viele eigene Rücklagen hatte ich nicht, und ich kam in ein Land, in dem die verspätete Gehaltszahlungen im dortigen Öffentlichen Dienst für ale Betroffenen mit zum System gehört. Ich habe drei Monate kein Gehalt bekommen und wurde immer wieder auf ein unbestimmtes Später vertröstet. Um meiner Arbeit nachgehen zu können, musste ich eine Wohnung mieten, denn als Ausländer hat man keine Familie oder sonst jemand vor Ort, der einen in dieser Situation auffängt. Wovon also die Miete bezahlen und die Kaution? Da kann man sich nur verschulden..Nicht gut! Am Ende kam ich in die zweifelhafte Situation, mich trotz einer vollen Stele bei der Deutschen Botschaft in Rabat mittellos melden zu müssen und mir von denen die Heimreisekosten vorstrecken zu lassen. Der DAAD-Lektor, der mich für diese Uni als Ortslektor angeworben hatte, hat mich weder vorher darüber informiert noch hat er mir kollegial wie auch immer geholfen, als ich nachher in diese missliche Lage kam. Seitdem weiß ich, was ich von deutschen Stellen im Ausland zu halten habe und habe mich nie mehr von denen abhängig gemacht, sondern meine eigene Vorsorge getroffen. Ein Konsularbeamter der Deutschen Botschaft in Rabat gab mir damals sicher den richtigen Hinweis, dass in allen arabischen Ländern und nicht nur in Marokko mit solchen Verhältnissen zu rechnen ist, wenn man sich als Ortskraft in diesem Teil der Welt anwerben lässt.

2009 wurde mir eine Professorenstelle an der Uni Sana’a, Yemen, angeboten. Konkrete Verhandlungen liefen schon, als ich dann aber von der dortigen DAAD-Lektorin hörte, dass auch da das erste Gehalt nach 3 Monaten gezahlt wird, habe ich mich zurückgezogen. Das Gleiche im letzten Jahr bei einer Direktorenstelle für die Deutsche Abteilung an der Salahuddin-Uni in Erbil/Irak. Die dafür zuständige gemischt-nationale Auswahlkommisson an der Uni Leipzig hatte mich eingeladen, nachdem ich auf Grund meiner eingereichten Bewerbungsunterlagen in die engere Wahl gekommen bin. Zum Termin für dieses Auswahlgespräch bin ich aber erst gar nicht angetreten, nachdem ich auf Nachfrage erfahren hatte, dass man auch hier als Ortskraft drei Monate auf sein erstes Gehalt warten darf, die Reisekosten vorfinanzieren darf sowie die Wohnung, die man sich dann vor Ort sucht. Trotz dieses Kooperationsprojekt der Uni Lepzig mit der Salahuddin-Uni war absehbar, dass ich keinerlei Unterstützung von deutscher Seite im Ernstfall zu erwarten hätte und das ganze Risiko allein schultern müsste. So sehr mich auch die Stelle gereizt hätte, dort etwas aufzubauen, so lieb war mir auch die Sicherheit meiner damaligen Stelle in China, die ich für so etwas natürlich nicht aufgeben würde.

Also alles nur Einbildung und pauschale Unterstellungen, wie u.a. der Betin-Poster hier im Forum behauptet, obwohl der selber keine einschlägige Auslandserfahrung hat, wie ich annehmen muss? Wie auch immer - ich will das hier nicht weiter bewerten, sondern nur folgende Erkenntnis weitergeben: Von den eigenen Erfahrungen richtig lernen heißt überleben und am Ende über alle Widerwärtigkeiten hinweg siegen lernen!

Das war’s.`



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 31.08.13 16:08.

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Re: Aus eigenen Erfahrungen lernen heißt "siegen" lernen!
geschrieben von: MR ()
Datum: 01. September 2013 13:51

Liebe/-r Credentia,

vielen Dank für deine Ausführungen. Deine spannenden Beiträge lese ich immer mit viel Interesse.

Ich denke, ich muss nicht jede Erfahrung selber machen, um zu lernen. Gerade schmerzhafte Erfahrungen kann man sich ersparen, wenn man von den Erfahrungen anderer zu lernen bereit ist und über die Vernunft zum Erkenntnisgewinn gelangt.

Du gehst den schweren, den geraden Weg (frei nach Reinhard Mey). Vertraust auf deine Stärke und bleibst dir treu. Respekt!

Nochmals vielen Dank.

Ich freue mich auf weiteren Austausch.

Viele Grüße von der deutschen See

MR :-)

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