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Arbeitsmarkt und Honorare

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IntV-Integrationskurse und die Bundestagswahl 2013
geschrieben von: Roswitha Haala ()
Datum: 07. September 2013 12:00

"Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel,

in Ihrem TV-Wahlwerbespot zur Bundestagswahl 2013 betonen Sie:“Leistung muss sich wieder lohnen!“

Dies steht – wie Sie wissen – seit Januar 2005 im grassen Widerspruch zur Praxis der Bundesregierungen bzgl. der Lehrkräfte in IntV-Integrationskursen.

Aufgrund der unbezahlten Vor- und Nachbereitungszeit des Unterrichts – Ramboll Dez. 2009 mind.
50 %, in früheren BA-Kursen wurde bis 2004 der Schlüssel 1: 1 festgelegt – sind gerade leistungsstarke, emphatisch engagierte Lehrkräfte, die ihren Unterricht gruppen- und einzelspezifisch gemäß „Fördern und fordern“ unbezahlt vorbereiten, die wirtschaftlich absolut Dummen, wie folgende Berechnung des aktuellen BAMF-Mindesthonorars der Bielefelder Kolleg_innen belegt:

Berechnung eines Netto-Stundenhonorars

Basis:
20 Honorar/brutto pro Unterrichtsstunde (45 min.)
20,00 Euro
-      3,78 Euro  Rentenversicherung
-      3,10 Euro  Krankenversicherung
-      0,44 Euro  Pflegeversicherung
-      0,80 Euro  freiwillige Arbeitslosenversicherung
-------------------------------------------------------------------
11,88 Euro
-     1,66 Euro  14 % Steuern
-------------------------------------
10,22 Euro
-     1,14 Euro   nicht bezahlte Krankheitstage (13,2)
-     2,41 Euro   nicht bezahlte Urlaubstage (28)
-------------------------------------------------------------------
6,67 Euro   Honorar/netto pro Unterrichtsstunde
-3,32 Euro    mind. 50 % unbezahlte Vorbereitungs- und Nachbereitungszeit (Ramboll Dez. 2009)
______________________________________________
 3,35 Euro  netto bleiben pro Unterrichtsstunde (45 min)“

Demnach werden gerade Lehrkräfte, die ihren Beruf ernst nehmen, die für Kursteilnehmer_innen mit Problemen eine mitfühlende Einstellung haben, ihnen die Schwellenangst vor Migrationsdiensten überwinden helfen, finanziell abgestraft.

Zur Erinnerung: In den früheren BA-Deutschkursen für Aussiedler_innen gab es eine sozialpädagogische Betreuung vor Ort, die bei Bedarf mit Migrationsdiensten zusammenarbeitete. Nicht so in den IntV-Integrationskursen. Es bestand keine „Beschränkung der Berufsausübungsfreiheit“ der Lehrkräfte. Angestelltenverhältnisse mit zusätzlichen Sozialleistungen waren die Regel. Zwar gering bezahlt, aber nicht so sittenwidrig niedrig wie in IntV-Kursen. Von dem Lohn konnte ein_e Single mit bescheidenen Ansprüchen leben ohne Hartz IV aufstocken oder eine hohe RV-Nachforderung befürchten zu müssen.

Was wollen Sie als erneute Bundeskanzlerin tun, damit sich für die IntV-Lehrkräfte die verlangte berufliche Qualifikation und „Leistung endlich lohnt“?

Für die Beantwortung meiner Frage, danke ich Ihnen im Voraus und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Roswitha Haala"

Als Realistin bin ich "gespannt" und rate allen Lehrkräften von IntV-Kursen ab...

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Re: IntV-Integrationskurse und die Bundestagswahl 2013
geschrieben von: aw ()
Datum: 07. September 2013 18:51

Sehr guter Brief!
Nur die Berechnung der Bielefelder finde ich wie gesagt grundsätzlich sehr fragwürdig, da KV, PV und AV nicht honorarabhängig sind und auch nicht so berechnet werden können. Je mehr man arbeitet, desto weniger KV, PV und AV zahlt man "pro 45 Min.". Und 14% Steuern zahlt man auch nicht wirklich, wenn man ca. 3 Euro pro 45 Min. verdient.
Aber hier geht es ja nicht um die genauen Centbeträge, sondern um die Sittenwidrigkeit an sich.

In jedem Fall könnten der Aufhänger dieses Schreibens "Leistung muss sich lohnen" und die Hauptaussage (GUTE, ENGAGIERTE Lehrkräfte sind im Nachteil = Faulheit/Bequemlichkeit und Nicht-Vorbereiten des Unterrichts lohnen sich) nicht passender sein!

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Re: IntV-Integrationskurse und die Bundestagswahl 2013
geschrieben von: aw ()
Datum: 07. September 2013 23:23

... zumindest "lohnt" sich das Nicht-Vorbereiten finanziell, wenn man diese Zeit nutzt, um eine 40 Std.-Woche daraus zu machen (40 UE/Woche) und deshalb auf Vor- und Nachbereitung verzichtet. Dann verdient man vielleicht so viel, dass man davon leben kann.
"Faulheit" bezog sich daher nicht auf diese Lehrkräfte, die 40 Std. unterrichten, ist aber aus Sicht der Politik wohl der Umkehrschluss: Normalerweise würde man ja denken, dass Selbständige mehr Geld verdienen, je mehr sie arbeiten (und dass beides im Verhältnis zueinander steht). In der DaF-Branche ist es genau umgekehrt: gewissenhafte und engagierte Arbeit (die für viele nur mit einer angemessenen Stundenzahl machbar ist) wird zum finanziellen Nachteil.

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"Markt"manipulation
geschrieben von: Credentia ()
Datum: 08. September 2013 04:15

Wenn bei allen unterschiedlichen Anbietern für DaF-Lehrkräfte in der Bezahlung am Ende das Gleiche herauskommt, ist das kein Zufall mehr und zeigt sehr deutlich, dass der "freie" Markt hier nicht mehr funktioniert. Man kann dann auch vobn manipulierten Marktstrukturen entsprechen. Und wenn das so ist, kann man auch von mafiösen Strukturen sprechen, die weder Allgemneinheit noch den seriösen Marktteilnehmern nutzen.

SPD und Grüne werden es nicht richten, sollten die drankommen. Da bin ich mir ziemlich sicher.

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Re: IntV-Integrationskurse und die Bundestagswahl 2013
geschrieben von: Joseph Roth ()
Datum: 08. September 2013 11:44

SPD und Grüne werden aber zumindest den Mindestlohn einführen, der ja auch Einfluss auf die Honorarlehrer hätte. Am ehesten würde sich wahrscheinlich etwas bei der Konstellation rot-rot-grün etwas ändern und es bleibt zu hoffen, dass dort eine Annäherung stattfindet.

Ganz sicher, dass sich nichts ändert kann man aber bei der aktuellen Regierungskoalition sein und ebenfalls bei der sogenannten großen Koalition.

Gegen solche manipulierten Marktstrukturen anzukämpfen ist allerdings auch nicht einfach, selbst wenn man das will. Ich erinnere hier nur an die diversen Gesundheitsminister, die versucht hatten gegen ähnliche Strukturen im Gesundheitsbereich vorzugehen und wie auf sie eingeschlagen wurde. Ulla Schmidt war da nicht die einzige. Wenn man sich diesen Strukturen aber anpasst, lebt man ganz ruhig, wie der aktuelle Gesundheitsminister.

In jedem Fall wird es in der DaF-Branche nur dann eine Änderung geben, wenn Druck von den Lehrenden ausgeübt wird und das bedeutet Verweigerung der bestehenden Strukturen.
Der Boykott der Integrationskurse wäre da schon einmal ein erster Schritt.

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Re: IntV-Integrationskurse und die Bundestagswahl 2013
geschrieben von: Credentia ()
Datum: 08. September 2013 18:11

Richtig, und das wurde hier im Forum bereits mehrfach festgestellt.

Hier ist aber so mancher, der das gar nicht gerne hört/liest, und damit erklären sich auch die vielen Löschaktionen solcher Postings. Aber das kann ja keinen daran hindern, immer wieder darauf hinzuweisen. Die eigentliche Kraft der Veränderung dieses "Marktes" kommt in der Regel von den Betroffenen selbst und nicht von der Politik. Diese springt meistens im günstigsten Fall nur auf den schon fahrenden Zug auf.

Zitat

In jedem Fall wird es in der DaF-Branche nur dann eine Änderung geben, wenn Druck von den Lehrenden ausgeübt wird und das bedeutet Verweigerung der bestehenden Strukturen.
Der Boykott der Integrationskurse wäre da schon einmal ein erster Schritt.

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: IntV-Integrationskurse und die Bundestagswahl 2013
geschrieben von: Nour ()
Datum: 11. September 2013 14:22

habe in diesem Zusammenhang an Frau Hadertauer geschrieben, sogar eine Antwort erhalten- natürllich eine ziemlich nichtssagende & bescheuerte, die ein Herr Dr. sonstwas dort in ihrem Namen verfasst hat mit dem Hinweis, dass es die Schuld der Träger sei, dass die Kurse vom BAMF so m iess mit um die € 20 bezahlt werden.
Angesprochen auf Alterversorgung und was da tatsächlich ( siehe Deine Rechnung, die ja voll realistisch ist) dafür über bleibt - fehlte natürlich jeglichder Kommentar - vielleicht wollen die wirklich die Akademiker aus Deutschland vertreiben...
um meinen Dachdecker einen Tag bezahlen zu können muss ich 3 Tage Kurse für `s BAMF machen- so sieht`S aus. Aber scheinbar ist diese Regierung damit einverstanden.

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Re: IntV-Integrationskurse und die Bundestagswahl 2013
geschrieben von: Georg321 ()
Datum: 11. September 2013 15:05

Hallo,

kasst du mir den Brief von Frau Hadertauer zumailen? Dann könnte man ihn an 300 Volkshochschulen schicken und die fragen, was sie davon halten.
Das wäre super.

Meine Mail ist bmoc85@web.de

Viele Grüße
Georg

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